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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 ließen dem 12., auch bei ihnen Adar genannt, 5 Zusatztage folgen. Dem Tage gaben sie nach der Zwölfzahl der Monate 12 Stunden, die Stunde teilten sie m 60 Teile und jedes dieser Sechzigstel wieder in 60 Teile. Gewisse astronomische Kenntnisse besaßen wol alle semitischen Völkerschaften, weil sie alle erst allmälig sich aus der nomadischen Lebensweise, in der die Gestirne die einzigen Führer sind, zu seßhaften Culturvölkern entwickelten; somit werden auch die Israeliten solche Kenntnisse besessen haben; dennoch aber ist es gewiß, daß die astronomischen Kenntnisse Babels nicht ohne Einfluß auf deren Anschauung blieben. So finden wir in dem älteren Schrifttum keine Bezeichnung für „Stunde"; in Daniel aber, dessen Sprachcharakter am deutlichsten die Spuren des Exils an sich trägt — es wird wol auch hebräisch geschrieben, aber nur neben dem Aramäischen — finden wir hierfür zum ersten Male den Ausdruck „Schaah" und während friiher das Jahr mit dem Monate Abib begann und das Passahfest, als Fest der Volks- Werbung Israels, mit dem Beginne des Jahres gefeiert wurde, tritt jetzt der Jom hasikkaron im siebenten Monate als „Rösch haschana“ auf. Auch die Namen der Monate kommen erst in den nachexilischen Schriften vor, wie sie noch heute gebräuchlich sind und wie wir sie auch auf den Inschriften, namentlich auf einer in Ninive aufgesundenen Monatstafel (Noras Dictionary I. 50), lesen. Ungleich wichtiger aber war für die Entwicklung des religiösen Bewußtseins der Umstand, daß die Exulanten auch Namen für die Engel aus Babel Mitnahmen. Wie den Thron des persischen „Königs der Könige" sieben Räte, die höchsten Würdenträger des Reiches umgaben, (Esr. 7, 12; Esth. 1, 14), die den sieben Amshaspands im Himmel entsprachen, so dachte man sich jetzt auch in Israel den Gottesthron von 7 Erzengeln umlagert, die nur des Winkes „des Königs der Könige aller Könige" (melech malche hammelachiro, so wurde jetzt Gott im Gegensätze zu dem irdischen Könige genannt), harren, um dessen Botschaft zu vollführen, und wie ferner am Trone des persischen Königs jede einzelne Völkerschaft seines Reiches ihren Vertreter hat, so dachte man sich jetzt auch die einzelnen Völkerschaften der Erde durch bestimmte Engel am Trone Gottes vertreten. So erwähnt das Buch Daniel einen „Fürsten des persischen Reiches," einen „Fürsten Griechenlands," welche beide von dem „Fürsten Israels," Michael genannt, besiegt werden;') vgl. Dan. 8, 16; 9, 21; 10, 13, 20, 21; 12, 1. Hingegen konnte sich der Dualismus der persischen Religion in Folge des strengen Monotheismus, den die Propheten unter schweren Kämpfen gegen das sinnliche Heidentum allmälig für das Volksbewußtseiu errungen hatten, keinen Eingang in's Judentum verschaffen, wenngleich auch er seine Spuren in der Vorstellung von dem Satan, der mit den Kindern Elohims am göttlichen Rate teilnimmt und stets das Gute bekämpft, (vgl. Hiob 1, 6, 7; 2, 15. u. Sech. 3, 1 u. ö. 1 Ehr. 21, 1), zurückgelassen hat. Ein energischer Protest zieht sich durch die Schriften jener Zeit gegen die Annahme eines guten Prinzipes (Auramazda, der Licht und Wahrheit und darum untrüglich ist), das im Lichte verkörpert geglaubt wurde und eines bösen (Angromainju, der Öde, Verderben, Tod an die Stelle des Gedeihens setzt), das in der Finsternis seine Verkörperung l) Vgl. Zend Avesta I. 283; II. 257; Brisson, de regno Persarum I, 133; Eichhorn, Bibliothek III, 2; Sech. 3, 9; 4, 10; Tobit 12, 15; Henoch 9, 1; 20, 1; Osfenb. 8. 2. auch ev. Nicod. 22, wo einer von den Teufeln charakteristisch „arebisatrapea" genannt wird, Interessant ist die Stelle in Meg. 23a, wo R. Samuel b. Nachman die Siebenzahl der am Sabbat zur Thora Gerufenen mit den 7 Torhütern am persischen Hofe in Verbindung bringt; vgl. Raschi und Tosaf. z. St.

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