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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-09-01 · Heft 9 (1.9.1883) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 9 (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 zu dessen Darbringung treiben. In diesem Sinne kündeten auch die Propheten des Exiles von dem Werte oder Unwerte jeder äußeren Handlung und diese erhabene Anschauung des Prophetismus war es, die das Gebet in's relig. Leben des Volkes einführte und in ihm das kräftigste Stärkungsmittel des gesunkenen Geistes, den erhabensten Aufschwung der gottsuchenden Seele erkennen ließ st. Die Bedingungen zu dieser Erkenntnis waren von selbst gegeben. Der Tempel war geschwunden, das Opfer konnte nicht dargebracht werden und hiemit war dem Wahne, als könnte man durch eine Gabe, gedankenlos, ohne Reue und heiliges Sinnen auf den Altar gelegt, den zürnenden Gott begütigen, ein Ende gemacht. Wer Gott nahen wollte, konnte es nicht anders, als sich in ihm und mit ihm im Gebete einigen. Nicht minder bedeutungsvoll war das Exil für die künftige Stellung Israels innerhalb des geschichtlichen Lebens der Völker. Während Juda in seinem Großmachtswahne sich häufig um die Bundesgenossenschaft der benachbarten Völker bewarb, suchte es sich jetzt durch völlige Abschließung gegen die Außenwelt Selbständigkeit nach Innen hin zu schaffen. Voll Verachtung sah es auf die eitle Götterwelt seiner Bedrücker und mit beißendem Spotte blickte es auf die nichtigen und eitlen Idole, von Menschenhänden gezimmert (vgl. Jes. 40, 19; 50; 41, 6. 7; 45, 20; 46, 6. 7 u. ö.); hermetisch schloß es sich von der anderen Welt ab, zog Wälle und Zäune um den Gottesgedanken, um ihn rein und unversehrt für die Menschheit zu erhalten. So ward das großartige Rätsel im Leben Israels angebahnt: die Möglichkeit einerseits partikularistisch im strengsten Sinne des Wortes zu sein, sich vollständig von der übrigen Welt loszulösen und abzuschließen, andererseits aber, erfüllt von dem großartigsten Universalismus, die höchsten Dirnen, auf deren Gipfel der ewige Völkerfrühling lächelt, klar und unverrttckt im Auge zu behalten. Priestertum und Prophetismus, die zwei gewaltigen Faktoren des altisraelitischen Volkslebens, gingen in einander und vermälten sich im Volke zur staunenerregenden Harmonie. Allein trotz dieser Abschließung blieb die Berührung der Exulanten mit den sich über Asien ergießenden Völkerschaften nicht ohne Einfluß auf das Judentum — der Geist kann eben nicht völlig abgeschlossen werden; wie eine Springflut ergießt sich der Gedanke über weite Flächen, wie ein Fluidum verteilt sich die Idee und schwängert die Luft, wo sie flutet. Mit der fremden Sprache, die Israel im Umgänge mit den fremden Völkern lernen mußte, zog auch manches, dem alten Glauben und Geiste ziemlich Fremdartige in das Volksleben, von dem es ausgenommen und verbreitet wurde, ein — die Namen der Engel und Monate schreibt schon der Talmud dem babylonischen Einflüsse zu (Jer. R. hasch. 56 d, Gen. r. 48, u. ö.) Der weite Horizont der babylonischen Ebne, sowie deren Einförmigkeit lenkte friih den Blick zu dem gestirnten Himmel und schon bei den Griechen stand Babel im Rufe, in der Astronomie allen anderen Völkern voraus zu sein. Sie bestimmten das Jahr auf 12 Monate zu 20 Tagen und 9 Vgl. Ps. 141, 2; 5, 3. 8; 138, 2; 28, 2; 14, 55, 18, namentlich Jer. 29, 7, wo der Prophet befiehlt, selbst sür Babel zu beten. Aus dieser Zeit stammt wol der größte Teil der Psalmen, der Verzweiflung und Hoffnung der geängstigten Volksseele, dem Spotte gegen die Götzenwelt und der Rache gegen die gottlosen Bedrücker Ausdruck verleihend. Möglich wurde auch bereits jetzt der schon bei Daniel und in den Psalmen erwähnte Brauch täglich dreimal zu beten fixirt. Auch die Brahmanen und die Ormuzdverehrer beteten bei Sonnenaufgang, Mittags und bei Sonnenuntergang; vgl. Rosenmüller IV. p. 54. Über das Gebet bei Ormuzddienern mit der Richtung nach Osten Ez. 8, 16. Zum Gebete in nachexil. Zeit vgl. Dan. 6,11; Act. 3, 1; 10, 9; 2, 15; Luc. 1, 10; Tob. 3, 11. Zunz, Gottesdienst!. Borträge S. 33, 366.

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