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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-08-01 · Heft 8 (1.8.1883) · p. Seite 191

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 8 (1.8.1883)
Date
1883-08-01
Page
Seite 191 (sequence 23)
Language
German
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191 Schon mit seinem zwölften Jahre wurde Göthe durch den Rector des Gymnasiums zu Frankfurt a. M. Dr. Albrecht in das Studium des Hebräischen eingeführt, durch dessen Schuld, weil er eine unglückliche Methode hatte, die ermüdend wirkte, der lernbegierige Knabe zu einem tieferen Verständnisse der Sprache nicht gelangen konnte. Diese Studieen, von denen Göthe gerade durch seinen schlechten Lehrer abgelenkt wurde, nahm er wieder auf, als er mit dem berufensten Forscher des alten Testamentes, mit Herder, zusammentraf. Hatte er sich früher in das erste Buch Mosis versenkt, woselbst, wie er sich ausdrückt, er die größte Einsamkeit und die größte Gesellschaft zugleich gefunden und in das er sich gerne geflüchtet, weil es sammelnd und beruhigend auf seinen Geist gewirkt hat, nachdem ihn sonst überall ein Gemisch von Fabel und Geschichte, von Mythologie und Religion umgaben, so nahm er jetzt in Herder's Nähe das zweite Buch Mosis zur Hand und arbeitete sich nach und nach mit unsäglicher Mühe durch das Fünfbuch durch, wobei er sich nicht damit begnügen wollte sich ästhetisch gedanklich anzuregen. Er ließ sich in theologische Untersuchungen ein und gieng auf exegetische Entdeckungen aus. So nahm er z. B. an, daß Mose durch Josua und Kaleb getötet wurde, eine Ansicht, die auch in allerneuester Zeit i« einem in Polen erschienenen hebräischen Werke unabhängig vom Dichter ihren selbständigen literarischen Vertreter gefunden. Höchst interessant sind Göthe's Aeußerungen über einzelne Schriften des alten Testamentes die, wenn auch knapp und kurz, als Frucht eingehenden Studiums und tieferer Auffassung derselben anzusehen sind. Besonders fesselte ihn das Hohelied, das er sogar zu bearbeiten versuchte. Viel ist bereits über das Verhältnis von Göthe's Faust zu dem biblischen Buche Hiob geschrieben. (Vgl. Das Buch Hiob und Göthe's Faust von Dr. Julius Landsberger, Monatsblätter Jahrg. 11. S. 167). Herr Dr. Ziemlich geht auf die betreffenden Forschungen näher ein und hebt einige interessante Stellen im Fällst hervor, die nicht nur an Stellen in Hiob, sondern auch an solche in der Genesis, den Psalmen und in den Königsbüchern anklingen. So sind z. B. die drei Gewaltigen im vierten und fünften Akte des zweiten Teiles von Faust, dem zlveiten Buche Samuel 23,8 entnommen und ist der Name der Marketenderin „Eilebeute" auf Jesaia 8, 3 zurückzuführen, wie denn auch die Erzählung von Naboth's Weinberg iin fünften Acte des zweiten Teiles von Faust in der Episode von Baucis und Philemon gebraucht wird. Göthe beschäftigte sich schon im Jahre 1773, gerade vor einenl Jahrhundert mit dem dunklen Hiobbuch und ist es außer allem Zweifel, daß er in seinem Faust durch dasselbe beeinflußt war. Welchen Standpunkt Göthe, der Bibel gegenüber dogmatisch aufgefaßt, auch immer eingenommen haben mag, so viel steht fest, daß ihm dieselbe als ein wirksames Erziehungsbuch der Menschheit galt, was er mit den Worten selbst ausdrückt: „Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Teil als Fundament, zum Teil als Werkzeug der Erziehung freilich nicht von naseweisen, sondern von wahrhaft weisen Menschen genützt werden." Wir halten die Behandlung solcher Themata in Vorträgen in unserer Zeit, wo so viele Halbgebildete auf die Bibel verächtlich herabsehen, für sehr angemessen, besonders wenn dies in >o anziehender und anregender Weise, wie durch Herrn Dr. Ziemlich geschieht.

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