Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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190 schienen ihm alles Wissenswürdige zu enthalten. Nachdem er Bukles „History of Civilisation“ und Hartmanns „Philosophie des Unbewußten" gelesen hatte, ward er ein ausgesprochener Gegner alles spekulativen Wissens, klassischer Studien, besonders der Theologie. Religion betrachtete er nur als Glaubens- und^Gefühlssache, und alles Studium, außer dem, welches Brod und Butter schafft, galt ihm von keinem Gewinn. Aber er war so liebenswürdig, daß man sich nie mit ihm hierüber zanken konnte. Aus dieser Indifferenz ward Dr. Lilienthal 1872 durch die Errichtung der Union ot' America» Hebrew Congregations aufgeregt. Diese Idee nahm ihn mit Sturm, und eifrig wirkte er mit den Gründern der Union zusammen. Niemals verfehlte er eine Versammlung des Conciliums, des Loarä of Governors, oder anderer Coinitl'S. Als das Hebrew Union College eröffnet ward, erwachten die Gefühle und Neigungen seiner Jugendzeit von Neuem. Er bot sich freiwillig, als Lehrer im College an. Er versuchte, die „Propheten" zu lehren. Aber seine Methode war die einer früheren Zeit und ohne Erfolg. Er begann Geschichte zu lehren mit mehr Erfolg. Nun begann er wieder jüdische Litteratur zu studieren, für jüdische Blätter zu schreiben, — den Sabbath Visitor, American Israelite, Deborah, — und ein tiefes Interesse für jüdische Angelegenheiten zu nehmen. Noch einmal erwachte der Rabbiner in ihm, und er ward eifervoll, sogar enthusiastisch, wie in den Tagen seiner Jugend. Dieser Eifer und Enthusiasmus gipfelte in häufigen Versuchen, Frieden zwischen den amerikanischen Rabbinen zu stiften, und endlich die Rabbinical Literary Association und die Hebrew Review zu gründen. Diese Anstalten waren sein Stolz. Ich könnte ein Buch über Dr. Lilienthal schreiben; - aber ich könnte es jetzt nicht! Mein Herz blutet! Weferale. Göthe und das alte Testament. Vortrag gehalten im „Verein Merkur" zu Nürnberg von Dr. Bernhard Ziemlich zu Nürnberg 1883. Verlag der Friedr. Korn'schen Buchhandlung. 30 Seiten. Man ist im Allgenieinen gewohnt den Altmeister der deutschen Dichtkunst Göthe für einen modernen Heiden und Atheisten anzusehen und weit entfernt davon zn glauben, daß die alte Grundschrift der Religion, die Bibel, mächtig auf seinen Geist und sein Gemüt eingewirkt habe. Und doch zeigt sich bei näherem Eingehen und bei gründlicher Durchsicht seiner Schriften, daß Göthe einige Vertrautheit mit der Bibel zeigte, die freilich mangelhaft war und sich besonders als solche kennzeichnet, wenn der Dichter auf Entdeckungen auf diesem Gebiete ausgieng, wobei er auf die wunderlichsten Einfälle geriet, und daß er die Bibel als ein ewig wirksames Erziehungsbuch betrachtet, das desto schöner wird, je mehr man es versteht und in seinen tiefen Gehalt einzudringen vermag. Herr H> . Ziemlich hat in seinem anziehenden Vortrage „Göthe und das alte Testament" ein klares Bild von dem Verhältnisse des Dichters zu der heiligen Schrift entworfen, indem er in gründlicher und anziehender Weise darthut wie er dieselbe beurteilt, welche Stellung er zu derselben eingenomen und welchen Gebrauch er von derselben gemacht hat.