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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-08-01 · Heft 8 (1.8.1883) · p. Seite 184

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 8 (1.8.1883)
Date
1883-08-01
Page
Seite 184 (sequence 16)
Language
German
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— 184 und bezwingen die Naturmächte, erobern sich den Platz in der Gesellschaft und füllen ihn aus. Solche edle Kräfte treten zusammen, greifen ineinander und in der Vereinigung vervielfältigen sich die Kräfte des Einzelnen, im Ringen um das Ziel leistet Großes der Wetteifer. Allein solche Menschen wollen durch ein Vorbild erzogen werden. „Die Eltern sind in erster Linie dazu bestimmt Herz und Seele des Kindes auszubilden. Unterrichten soll der Vater selbst seine Kinder." (Kiduschin 29 a.) Aber solche Väter müssen selbst erst erzogen werden. „Der Unwissende kann seinen Sohn nicht erziehen und unterrichten," (Sota 22 a.) er kann nicht lehren sein Kind, den wahren Weg der Tugend wandeln und entweiht den Namen Gottes, der geheiligt sein will in der Mitte Israels, denn „Ich, euer Gott, bin der euch heilig." (3. M. 22, 31, 32.) Was ist jedoch der Mensch, dem ein Freund, ein Mensch fehlt, den er lieben, mit dem er wirken und schaffen, fühlen und denken, nach dem hohen Ziele streben kann. Der Mensch ist um des Menschen Willen geschaffen. Deshalb soll der Eine niit dem Andern Zusammengehen, ihn stützen und fördern. Jeder hat andere Anlagen, andere Fähigkeiten. Was dem Einen fehlt, muß der Andere ihm ergänzen. Der Schwerpunkt zur Einheit liegt demgemäß in der Erziehung, die die verschiedenen Anlagen und Fähigkeiten zu Tage fördert. Der Vater kann die verschiedenen Anlagen seiner Kinder allein nicht ausbilden, da er selbst nur auf seinem Erkenntnisgebiete heimisch, in seiner Lebenssphäre herrscht und schaltet, lebt und webt. „Das Kind will jedoch seine Bahn gehen, damit es in spätem Tagen auf derselben ausharren könne." (Spr. 22. 19.) „Überdies würden die unglücklichen Waisenkinder die Wohlthat einer guten Erziehung nicht kennen und ihre Anlagen giengen der Gesellschaft verloren. Deshalb wurden in Jerusalem Lehranstalten errichtet." (B. Bathra 21».) Aus diesen Lehranstalten sollte vor Allem ein gebildetes Menschengeschlecht hervorgehen, Väter, die ihre Kinder so weit zu erziehen im Stande wären, daß die Schule an die Ausbildung der Anlagen zu gehen im Stande sei. Der Geist der Erziehung hat in Israel tief Wurzel geschlagen, und der Gott des Wissens treibt das Volk und drängt es, dem Ideale der Menschheit näher zu streben. In der allgemeinen Bildung liegt das wahre Ziel der Kulturvölker. „Durch Weisheit wird ein Haus gegründet, durch Einsicht wird es dann befestigt. Durch Kentnisse füllen sich die Gemächer mit allerlei kostbaren und lieblichen Gütern." „Da fügt sich der Grenzstein fest", (5. M. 19, 14) trennt Anlage von Anlage, Kraft von Kraft, um sie um so inniger zu verbinden. Brust an Brust wie eine Mauer, treten aneinander die Biirger, gilt es den gemeinsamen vaterländischen Boden verteidigen. „Sebulun ist ein Volk, das für das Vaterland stirbt, auf den Höhen des Schlachtfeldes stirbt Naphtali." (Richter 5,18.) „Wo solche Männer fehlen, da stelle du deinen Mann." (Aboth 2, 6.) Wie Glieder einer Familie durch das Gefühl der Verwandtschaft verkettet und verschwistert sind, so wird die Völkerfamilie von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit getragen, wenn die Erziehung die innere Kräfte der Nation ansgebildet, der Unterricht das göttliche Bewußtsein, die Idee der Einheit entwickelt hat. Dann segnet die Eintracht den Wohlstand, die Liebe die heiligen Bande, die Herz an Herz binden, Kraft in Kraft aufgehen lassen. „Im Staate giebt es nur Brüder, die Freud und Leid miteinander teilen müssen, da gilt der Rat und die That krönt das Werk." (Maim. Matnas anijim X. 2.) „Da kann der Eine nicht den Mühlstein dem Andern pfänden, sagt ihm doch sein Herz: du pfändest das Leben deines Nächsten." (5. M. 24, 6.) „Und wer einem Armen Geld leiht, kann ihm nicht ein Zins-

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