Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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damit du dahin gelangst, daß du von jedem lernen kannst; denn weise ist, wer da lernt von jedem Menschen." (Aboth 5, 14.) Als Ebenbild Gottes ist jedem Menschen der Trieb zur Erkenntnis mit ins Leben gegeben. Der Trieb fordert geistige Nahrung, wie der Körper Speise. „Daher sei dein Haus der Sammelplatz der Weisen, lasse dich bestauben von ihren Füßen und trinke begierig ihre Worte", (Aboth 1, 4.) „und du wirst weise." (Spr. 13, 20) „Die göttliche Lehre ist eine Lebensqnelle, die dich lehrt den Schlingen des Verderbens entgehen." „Der Gott des Wissens ist der Ewige" und durch die Erkenntnis kann der Mensch diesem obersten Ideale, Gott, sich nähern. Aber nur der weise Lehrer, dessen Inneres geistig durchgebildet ist, dem das ideale Ziel der Erziehung stets vorschwebt, nur der greift richtig in das geheimnisvolle Wesen des Kindes und wirkt und weckt den Trieb der Erkenntnis. Der junge Geist erwacht und strebt dann von selbst vorwärts, greift immer weiter und dringt tiefer in die Schatzkammer des Wissens, indeß nach und nach in der zarten Seele die verschlossene ideale Welt aufgeht, die zur Trägerin der großen Gedankenwelt einst werden soll. „Die Welt besteht nur durch den Hauch der Schulkinder." (Sabbat 119b.) Unter jedem kindlichen Herzen schlummert ein Genius, dort liegt eine Riesenkraft verborgen, die entfesselt sein will. Jede zarte Seele verschließt ein weites unabsehbares Erkenntnisgebiet, einen Teil jener unerforschlichen Allmächten der alles Wissen und Können sich vereinigt, in der alle menschlichen Anlagen und Fähigkeiten sich verlieren, aus der frische Kräfte immer wieder hervorgehen, „bis daß die Erkenntnis Gottes die Welt erfüllen wird, sowie das Wasser, das den Meeresgrund bedeckt." (Jes. 11, 9.) Die Weisen, wie alle großen Genieen, aus deren Werken der göttliche Geist spricht, in deren Wirken und Schaffen er sich offenbart. „Vor dem greisen Haupte mußt du daher dich erheben; aber ehrfürchten mußt du den Weisen, fürchte deinen Gott". (3. M. 19, 32.) „Ehrfürchten wie den Herrn muß jeder seinen Lehrer (Pesachim 22b.) und unheilbar ist die Wunde deß, der einen Lehrer verschmäht hat." (Sabbath 119b.) Das Ebenbild Gottes ist gewichen, der edle Schutz seiner idealen Kräfte liegt vergraben. Sie erwachen nicht mehr wieder. Die Welt hat einen edlen Menschen verloren, eine Welt ist untergegangen. „Zerstört ward Jerusalem, weil die weisen Lehrer daselbst vernichtet wurden." (Sanhedrin 101b. Sabb. 119b.) IV. Der Staat. 1. Der Staatsbürger. „Ich spreche zum Norden: gieb wieder und zum Süden versperre nicht. Laß kommen meine Söhne aus der Ferne und meine Töchter vom Endpunkte der Erde. Zu jedem, der sich nach nieinem Namen nennt, den zu meiner Ehre ich geschaffen, gebildet und vollendet, (spreche ich): gieb heraus das blinde Volk, das Augen hat, die Tauben, die doch Ohren haben, daß sie hören und sagen: das ist die Wahrheit." (Jes. 43, 6—9.) So spricht der Geist der Erziehung zum Menschengeschlechte und die Völker lauschen und wenn sie die Sprache verstehen rufen sie: das ist die Stimme der Wahrheit, sie führt uns einer besseren Zukunft entgegen und bringt uns dem Zeitenideal näher. Erziehung und Unterricht lösen jenen unsichtbaren Panzer, der um das rohe Herz liegt und befreien die Tugenden, die die Brust verschließt und der Mensch wird zur Riesenkraft, seine Anlagen und Fähigkeiten streifen ab die Hülle und greifen tief in das Werk der Schöpfung