Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht zu uns, wenn wir ihm nicht ein Haus errichten, in dem er sich häuslich niederlassen, von wo aus er das Licht der Erkenntnis über alle Schichten der Bevölkerung ausgießen kann. Wo dieser Geist der Erkenntnis eine Stätte gefunden, da entfesselt er das Ebenbild Gottes im Menschen und jeder Einzelne strebt auf zur idealen Vollendung. Da ist jeder Einzelne eine Einheit, eine freie Welt, die aufgeht in der Gesammtheit, in der höheren Einheit im Staate. „Die Schüler sind die Gesalbten des Herrn, die Lehrer sind die Propheten, (Sabbat 119b. Herioth 13a. Jalkut Tehelini 105.) Lehrer und Schuljugend zusammen dagegen sind die schönste Zierde des Staates, sie sind der edelste Perlenschmuck im Diadem der Königinnen und Fürstinnen." (Midrasch Rabba Schir Haschirim.) 2. Air Lehrer. „Ein Abgesandter der Akademie, der die Schulen Palästina's zu besichtigen hatte, kam in eine Stadt, wo es weder Schulen noch Lehrer gab. Bringet mir die Hüter der Stadt, rief er den Bürgern zu. Und diese brachten den Bürgermeister und seine Räthe. Das sind nicht die Hüter der Stadt, fuhr der Abgesandte die Bürger an. Die Lehrer bringet mir- < Talmud Jeruschalmi I. c.) Die Lehrer, die Träger der Bildung und der Erkenntnis, die das geistige Licht nach allen Richtungen hin verbreiten, sie sind die wahren Hirten der Völker, die besten Hüter der Stadt. „Wer da lernt um zu lehren, besitzt die edelsten Schätze, in seinem Hause herrscht der Wohlstand. Heilige Pflicht eines Jeden ist es zu lernen und zu lehren." „Wer nur lernt und nicht lehrt, gleicht der Myrthe in der Wüste (Rosch—haschana 23a.) und beraubt die jungen Seelen, denen er die Erkenntnis vorenthält; (Sanhedrin 99a.) aber er hat auch verschmäht das Wort Gottes." (Sanhedrin 99a.) Wie, fragte ein Gelehrter, bist du also deines Berufes eingedenk. Hast du etwa dein Lehramt beiseite gelegt, daß du dir Zeit läßt, deinen Garten aufzusuchen? Schon zwölf Jahre habe ich diesen meinen Garten nicht besucht, erwiderte der Lehrer, und heute da ich ihn aufgesucht habe, bin ich ganz in meinem Geiste bei der heiligen Pflicht." (B. Batra 8».) Mühevoll aber schön und erhaben ist das Ziel, das der Lehrer zu erreichen strebt. Er weiß es, „daß der Tag kurz sei, die Arbeit dagegen groß und wichtig. Der Arbeiter kann nicht genug fleißig sein: der Lohn ist groß und der Geist der Erkenntnis drängt." (Aboth 2, 2.) Der Mensch will zum Menschen werden, die Gesellschaft will vollendet dastehen, der Staat fordert echte Bürger, die Kunst Genieen, die Wissenschaft Geister, das Leben Männer, der Wohlstand Kräfte. Giebt es aber auch einen edlern und schönern Beruf, als den, der sich den Menschen selbst zum Ziele setzt? Giebt es einen größeren Künstler als den, der Herz und Seele bildet, der ohne Werkzeug formt und schafft, der blos spricht und es wird, der nur rvinkt und das Kind fühlt und handelt. „Der Lehrer muß aber seine Schüler lieben wie seine Kinder, (Sefre, Woetchanan 34) muß sie achten und ehren wie sich selbst." (Midrasch Jalkut, 2. M., Jethro, Aboth 4, 15.) „Mein Sohn, sagte ein unglücklicher Lehrer, der nicht lehren durfte, zu seinem Schüler: Lieber als das Kalb säugen, will die Kuh säugen." (Pesachim 112a.) 3. Die Schüler. „Schaffe dir einen Lehrer und erwirb dir einen Freund." (Aboth 2, 24.) „Schaffe dir einen Lehrer, der dich von allem Zweifel befreien kann, (das.)