Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Markt, er füllt seine Speicher > und deckt seinen Bedarf und sorgt für den Wohlstand seines Hauses. Da stehe aber auch ein Tisch für müde Wanderer, für den hungernden Fremdling, für hilflose Tiere. Ihr wäret Fremdlinge im Lande Egypten und hattet dort ein Haus zu übernachten, und sollt den Egypter nicht verachten." (5. M. 2(5.) Um so mehr seid ihr gegen Menschen, die euch nichts zu leide thun, verpflichtet, Gastfreundschaft zu üben." (Berachot 63.) Rabbi Janai lud immer Fremdlinge zu sich. Eines Tages erblickte er einen Fremdling von schöner Gestalt. „Darf ich mir erlauben dich zu mir zu laden, mein Herr und Lehrer," redete ihn der Rabbi an „Wenn es dein Wille ist," erwiderte der Fremdling. Und der Rabbi führte ihn zu sich und speiste ihn reichlich. II. 1. Die Schule. „Siehst du liebliche Gärten, leuchtende Sterne am Himmel, so hast du ein Bild edler Lehrer vor dir, die das Licht der Erkenntnis in zahllosen zarten Seelen erhellen." (Jona dibro Elijahu. B. Kathra 8a.) Lehrer und Schüler sind die schönste Zierde der Stadt. Was ist eine Stadt, die keine Schule besitzt! Sie ist eine Vorratskammer, in der die schönsten und edelsten Keime verkümmern, in der tausende Anlagen und Fähigkeiten unbefruchtet hinsterben und vergehen. „Eine solche Stadt niuß zerstört werden." (Sabbat 1196.« „So ging Jerusalem unter, weil die Schulen leer blieben." (Daselbst.) Was ist ein Staat ohne große Geister, ohne Genieen, die die ganze Gesellschaft emportragen, sie ihrer inneren Vollendung näher bringen, wo der Bürger dem Tiere gleich sich am Tagewerk hinschleppt, wo der Mensch das Licht der Erkenntnis gar nicht erblickt, das sein Leben erleuchten, sein geheimnisvolles Innere erhellen sollte, damit er zum Bewußtsein komme, daß in seinem Herzen das Ebenbild Gottes verborgen liegt. „Die Schulen sind es, die einen Staat erhalten, sein Heil wie seinen Bestand überhaupt sichern; (Midr. Echa.) sie sind es, die die Bürger zu einer Gesammtheit gestalten, für die Einheit erziehen und bewaffnen mit Begeisterung, ausrüsten mit Stärke, gilt es, den gemeinsanien Herd verteidigen. (Talm. Jeruschalmi Chagiga Abschnitt 2.) In der Ausbildung der Seelenkräfte liegt die wahre Größe des Menschen. „Wer in seiner Jugend mit der Erkenntnis sich beschäftigt, der handelt in der Folge darnach und läßt sich von seinem Geist leiten und wird auf der rechten Bahn geleitet. Er wandelt sicher." (Jebamoth 62b.) Wer sich mit Hingebung dem Studium widmet, gelangt zu vielen und schönen Dingen. Er faßt die ganze Welt, wirb genannt Freund, Liebling; er liebt Gott und die Geschöpfe, erfreut Gott und die Geschöpfe, er ist gekleidet in Bescheidenheit und Scheu und ist befähigt, bieder, fromm, redlich und wahr zu sein. Bei ihm sucht jeder Rat und Hilfe, Einsicht und Stärke denn so spricht der Geist der Erkenntnis: Bei mir ist Rat und Hilfe. Das Wissen verleiht ihm Ansehen und Einfluß, befähigt ihn, das Recht zu ergründen, und vor ihin thun sich auf die Grundrisse der Erkenntnis. Er wird wie eine immer mächtiger sprudelnde Quelle, wie ein nicht endender Strom. Bescheiden ist er, langmütig, vergiebt die ihn« zugefügte Kränkung und überragt alle andern Geschöpfe." (Aboth 6, 1.) Wo giebt es ein Haus, das der Schule gleich käme? Wv eine kindliche Seele denkt, wo ein junges Herz schlägt, da wohnen höhere Gewalten, da liegt eine Welt, die den Geist erwartet, der da spricht: „es werde Licht." Dieser Geist erscheint uns nicht, er spricht