Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 dann hätten sie nie zugeben dürfen, daß unsere Vorfahren zu Tausenden und Myriaden gemordet wurden? Und gegen diese Nichtjuden sollte den Juden erlaubt sein, was ihnen selbst gegen Heiden verboten war: List, Trug, Falschheit, Haß und Feindseligkeit? Wer möchte nicht mit R. Moses Chagls ausrufen: „Sollte ein Gegner der Juden die Menge das Gegenteil glauben machen wollen, so vertrauen wir der Gnade Gottes und der Weisheit der Fürsten, daß sie die Schmähungen eines solchen Judenfeindes nicht achten und wol einsehen werden, daß der Grund derselben in Lieblosigkeit, in Unglauben und Unkunde des jüdischen Gesetzes bestehe!" Von unserm glorreichen, hochherzigen und edlen Monarchen, Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef I., der vor kurzem erst seinem Minister zugerufen: „Ich dulde in Meinem Reiche keine Judenhetzen", wie auch von dem wackern und edlen Kronprinzen des deutschen Reiches, der die antisemitische Bewegung als eine Schmach des Jahrhunderts bezeichnet, kann man mit Fug und Recht behaupten, daß sie die Schmähungen unserer Feinde nicht im entferntesten beachten. Hrundgedanke der ßMifch-latinudischeil G1M von Oskar Waldeck. 5. Die Gastfreundschaft. „Und Abraham saß vor dem Eingang seines Zeltes im Haine Mamre zur heißen Tageszeit. — Er richtete seine Blicke sehnsuchtsvoll nach allen Richtungen, ob kein Wanderer erschien, den er gastfreundlich in sein Zelt laden könnte. (Raschi.) — Und sieh da! Drei Männer standen wie mit eins vor ihm. Und er erblickte sie und eilte ihnen entgegen vom Eingänge des Zeltes und sprach: wenn ich Gunst gefunden, mein Herr bei dir, ziehe nicht vorüber vor deinem Knechte. Nimm doch ein wenig Wasser, waschet eure Füße und ruhet aus unter dem Baume. Und ich will bringen Brot, daß ihr euer Herz labet und dann könnt ihr vorüber ziehen." (1. M. 18, 1—9.) Wie schön ist die Erde, wenn im Herbste ihre Bäume schwerbeladen ihre Früchte tragen, wenn im Sommer das Saatenfeld mit seinen vollgefüllten Aehren Halm an Halm dicht gesät pranget, wenn die Rosenkirschen von frischbetauten Ästen niederschauen, wenn die ganze Natur gastfreundlich die ganze Tierwelt zu sich ladet, und jedes einzelne Geschöpf so reichlich beschenkt versorgt. Da gibt es keinen müden Wanderer, keinen Erschöpften, dem nicht ein grüner Rasen freundlich winkt, da giebt es keinen Hungernden, den nicht der Weinberg zu sich lädt, keinen Dürstenden, den nicht das Plätschern des klaren Bächleins zu sich ruft. „Aber kommst du in den Weinberg deines Nächsten, iß Trauben nach Herzens Lust nur in ein Gerät lege nicht's, sättige dich; kommst du in die, Saat deines Nächsten pflücke Ähren mit der Hand, aber schwinge iiber die Ähren nicht die Sichel." (5. M. 23, 25. 26.) Dazu hat nur der Eigentümer das Recht. Er sammelt ein den Ertrag und speichert ihn auf in Tennen und Vorratskammern für den