Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 179 - Einreden an. Unsere alten Lehrer haben dem Sklaven von jedem Gerichte abgegeben, und zuvor für dessen Bedürfnis als für das eigene gesorgt." (C. 8.) Wenn du siehst, daß die Menschen nicht sind, wie sie sein sollen, so freue dich nicht darüber, sondern es thue dir leid, denn selbst für deinen Feind sollst du beten, daß er Gott dienen möge u. s. w. (C. 9.) Vergiß nie die Vorzüge, die dir fehlen, aber vergiß das Gute, das du gethan; schreibe deine Fehler dir auf, aber nie die gespendeten Wolthaten. Vergiß die Kränkungen, die ein Anderer dir zugefügt, und wenn du betest vergiß die weltlichen Dmge. (C. 20.1 Und so könnten wir noch unzählige von der Toleranz, Liebe, Milde und Sittengröße des Judentums zeugende Stellen aus dem jüdischen Schristtume anführen, allein wir begnügen uns mit den oben reproduzirten rabbinifchen Aussprüchen und Äußerungen, weil sie von den hervoragendsten rabbinifchen Autoritäten des Altertums und des Mittelalters herrühren und zeugen, daß das Judentum selbst in einer Zeit wo Intoleranz und Unduldsamkeit, Haß und Lieblosigkeit, Druck und Verfolgung sich gegen dasselbe verschworen hatten, vom Geiste der Liebe, Humanität und Menschenverbrüderung beseelt und durchdrungen war. Erwähnen wollen wir noch das eine, daß die anerkanntesten jüdischen Lehrer früherer Jahrhunderte, trotz des unsäglichen Druckes und der härtesten Verfolgungen, denen die Bekenner des Judentums ausgesetzt waren, die hohe Mission der beiden jüdischen Tochterreligionen zu würdigen keinen Anstand genommen haben. Sehr treffend drückt Herr Dr. Jellineck, einer der berühmtesten Kanzelredner der Jetztzeit, in seiner am 12. November 1859 gehaltenen PredigOiesen Gedanken aus, indem er begeistert ausruft: „Wenn nun die Beziehungen zu Heiden die bue noach genannt werden, nach den Grundsätzen der Liebe und Gerechtigkeit, ohne Ausschließlichkeit und ohne religiöse Parteiwut, bestimmt werden: wie erst zu Denen, welche gleich Israel Schrift und Offenbarung anerkennen? Haben nicht zwei unserer berühmtesten Lehrer des Mittelalters, R. Jehuda Ha-Lewi und R. M. b. Maimon, der eine in Spanien und der andere in Egypten, es offen ausgesprochen, daß beiden jüdischen Tochterreliaionen eine große weltgeschichtliche Sendung an die Heidenwelt nach dem Ratschlüsse der Vorsehung zu Teil wurde, und daß beide zur allmäligen Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden mächtig mitwirkten? (Kusari „4. 23, Rambam hil. Melachim 11.) Hat nicht R. Mose b. Nachman diese Überzeugung unserer großen Lehrer vor einem Könige in Aragonien vorgetragen? (Derasch. Ramban S. 5.) Rief nicht der Spanier R. Josef Jabez aus: Gepriesen sei der Ewige, der Gott Israels, daß er, nachdem der zweite Tempel zerstört und Israel zerstreut wurde, eine der unfern verwandte, Schöpfung, Schrift und Offenbarung, göttliche Bestrafung und Belohnung anerkennende Religion entstehen ließ; denn wer weiß, ob wir nicht inmitten der Heiden wankend geworden wären? (Mamarhaachdus 3.) Gehen nicht alle unsere Gesetzeslehrer in Deutschland, Spanien, Frankreich und Polen, der Deutsche R. Ascher, der Spanier R. Nissim, der Provenyale R. Jerocham, der Pole R. Moses Jsserls, in ihren gesetzlichen Bestimmungen von dem Grundsätze aus, daß die Anhänger der ältesten jüdischen Tochterreligion denselben Gott Himmels und Erden wie Israel anrufen und blos durch die Auffassung und Gestaltung der Gottesidee sich von demselben unterscheiden und trennen? Schrieb nicht R. Jakob Emden im vorigen Jahrhundert: Heil uns und Heil den Bekennern der Heilsbotschaft, wenn sie die liebevollen und menschlichen Lehren derselben stets beherzigt hätten; o, dann hätten sie uns nicht hassen und verfolgen,