Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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178 zu dir, so gewähre ihm keinen Schutz, auch wenn es ein Jude ist; begegnet dir aber auf schmalem, schlechtem Wege ein Lasttragender, so mache ihm Platz, auch wenn es kein Jude ist. Einem die natürlichen Gebote haltenden Nichtjuden gieb zurück, was er verloren, halte..ihn mehr in Ehren als den die göttliche Lehre vernachlässigenden Israeliten. Übrigens sind ait den meisten Orten die Juden den Christen in ihren Sitten ähnlich. (Vergl. 8 1014, 1074, 1078, 1080, 1086, 1124, 683, 368, 1101.) Wer Erbarmen hat mit dem Menschen, dessen erbarmt sich Gott; ein Unbarmherziger gleicht dem Vieh, das bei dem Leiden der Seinigen gleichgültig bleibt rc. Der größte Fehler ■ ist» Undankbarkeit; sie ist selbst gegen das Tier nicht gestattet u. s. w. Sprich nicht: „Ich werde das Böse vergelten!" Hoffe auf Gott und er wird dir helfen. Hat man dich mit unrichtigem Gewicht betrogen, bestohlen, falsches Zeugniß gegen dich abgelegt, so laß dich nicht verleiten, aus Rache ein gleiches zu thun. Sei still, wenn man dich schmähet, und dulde auch nicht, daß deine Schüler und Hausgenossen init Schimpfen und Schlägen dem begegnen, der dich beleidigt. Neid und Haß thue ab von dir; hat man dich zu einem Beitrage über dein Vermögen besteuert, so daß Reichere weniger zahlen, errege nicht dir und Andern Verdrießlichkeiten durch Einsprache: „schweige und beschäftige dich mit der göttlichen Lehre" rc. rc. In dem Semag („Sefer Mizwoth gadol") des R. Moses b. Jakob aus Coucy (1245) heißt es unter anderm: Diejenigen, die lügenhaft sind gegen Nichtjuden und sie bestehlen, gehörenzu derKlasse derer, die den Namen Gottes entweihen, weil sie Schuld sind, daß man von den Juden sage, sie wären ohne Gesetz. Geht es den Israeliten gut, so sollen sie nicht übermütig werden und Gottes vergessen, alle Erfolge nur ihrer Tätigkeit zuschreiben rc. Man darf im Handel und Wandel keinen Menschen, ohne Unterschied der Religion, betrügen oder mit Worten täuschen; vielmehr muß man die Fehler einer Ware dem Käufer anzeigen. In dem Testamente des R. Elieser b. Samuel ha-Levi, (gest. 1357 in Mainz) heißt es: „Meinen Kindern empfehle ich, daß sie morgens gleich nach dem Gebet einige Stellen aus dem Pentateuche oder in den Psalmen lesen, oder eine Handlung der Barmherzigkeit üben. In dem Verkehr mit den Menschen, Juden und Nichtjuden, sollen sie rechtschaffen, und gewissenhaft, freundlich und gefällig sein, nichts reden was überflüssig ist; dies wird sie vor Verleumdung schützen." In dem Sittenbuche (15. Jahrhundert) heißt es: „Sei billig und bescheiden in dem Handel und Wandel mit allen Menschen; rede bescheiden mit jedem und behandle ihn mit Billigkeit. Übe Demut selbst gegen Hausgenossen, Arme und die Untergebenen; habe ein leutseliges Herz gegen die Witwen und Proseliten, vertrage ihre Belästigungen; erwidre nicht, wenn man dich schilt; sei unterwürfig gegen gelehrte fromme Männer, nachsichtig gegen deine Schüler, und werde nicht müde mit ihnen das Gehörte zu wiederholen und es ihnen zu erläutern. Wer gegen Jedermann demütig ist, gefällt und gewinnt Zutrauen, und jeder wiinscht sein zu können wie er ist. Je mehr du aber an Gütern besitzest, desto größer sei deine Demut, desto mehr erzeige den Menschen Ehre und Wolwollen." (C. 2.) „Sei mildherzig gegendeine nichtjüdischen Sklaven, erschwere ihnen die Arbeit nicht, behandle sie nicht geringschätzig durch verächtliche Worte oder Schläge; selbst wenn du mit deinem Knechte zankst, rede gelassen und höre seine