Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1883)
- Date
- 1883-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 im jüdischen Schrifttum manichfache Äußerungen und Aussprüche, die von der Toleranz, Humanität und Sittengröße des Judentums zeugen und danach angethan sind, die modernen Judenfeinde zu beschämen und ihre hämischen Behauptungen und boshaften „Vorwürfe zu widerlegen. So mögen denn hier einige dieser Aussprüche und Äußerungen reproduzirt werden: Der berühmte Tanaite R. Akiba, der bekanntlich den Märtyrertod erlitten, hatte den Ausspruch der heilige n Schrift „liebe deinen Nächsten wie dich selbst" als das wichtigste Religionsprinzip der Thora erklärt. (Sifra Kedoschim S. 4. Midr. Ber. S. 24.) Einst kam ein Heide zu dem in ganz Israel allgemein gefeierten Lehrer Hillel, der einige Jahre vor Christi Geburt geblüht, und sprach ihn mit folgenden Worten an: Mein Herr wärest du nicht geneigt, mich mit sämmtlichen Grundprinzipien der mosaischen Religion in der kurzen Zeit als ich auf einem Fuße zu stehen vermag, vertraut zu machen? Der sanftmütige Rabbi entgegnete ihm: „Was du nicht willst, das man dir thue, das thue auch deinem Nebenmenschen nicht." Das ist die ganze Thora, alle andern Vorschriften sind eine Folge dieser, gehe hin und lerne sie. (Sabbat 31.) Von demselben Rabbi besitzen wir auch noch andere die Nächstenliebe, Humanität und Menschenverbrüderung fördernde Aussprüche. So z. B. lautet ein Wahlspruch von ihm. „Sei ein Schüler Aharons, der liebet den Frieden, jagt dem Frieden nach, liebt alle Menschen, ohne Unterschied des Glaubens, des Ranges und des Standes und hält sie in Freundlichkeit an zur Gotteslehre, d. h. zur Veredlung und sittlichen Vervollkommnung. (Abot 1. 12.) Im Talmud Tr. Makot 24., wird anknüpfend an den Vers Psalm 15, 5., in welchem derjenige belobt wird, der sein Geld ohne Zinsen verleiht, die Behauptung ausgesprochen, daß diese Belobung sich auf denjenigen Juden erstrecke, der auch einem „Nichtjuden" (afilu beribit Akum) Geld ohne Zinsen leiht. „Es ist weit sündhafter einen Nichtjuden als einen Juden zu betrügen." (Tosest. B. Kama 10.) „Die Frommen und Gerechten aller Nationen, so lehrt der Talmud (Sanhedr. 105.), werden des künftigen Lebens und der ewigen Seligkeit teilhaftig." Der Allgütige hat Israel beschworen, so heißt es im Talmud (Ketub. 111.), gegen die Völker, unter denen es lebt, nie und nimmer Treulosigkeit und Ungehorsam zu begehen. „Die Herrschaft und Gewalt der Könige auf Erden ist ein Abglanz der Herrschaft Gottes im Himmel." (Berach 58.) Wer sich gegen den Landesfürsten auflehnt, begeht eben ein solches Verbrechen, als wenn er sich gegen Gott unwürdig benommen hätte. (Midr. Rabba. Beresch. P. 92.) Der berühmte Maimonides lehrt (Hilch Genewa C. 7. tz 8) folgendes: „Wer im Verkehr mit einem Juden oder Nichtjuden sich eines unrichtigen Maßes oder Gewichtes bedient, Übertritt ein göttliches Verbot und ist verpflichtet den Schaden, den er seinem Nebenmenschen zugefügt, zu ersetzen. Ebenso ist es verboten einen Nichtjuden in der Berechnung zu übervorteilen; vielmehr soll man sich der größten Genauigkeit befleißen, wie es heißt (3. B. M. 25, giengen dasselbe mit Brod und Wein, nach dem Vorbilde des Stifters Jesu, der bei Gelegenheit des Passahmahles, das er nach echt jüdischer Weise hielt, das Liebesmahl einsetzte. Die ersten Christen sprachen beim Genuß des Weines: „Hie 68t sanguis domiui mei Jesu Christi“ (Das ist das Blut meines Herrn Jesu Christi.) Die heidnischen Späher, die sie belauschten und nicht verstanden, verbreiteten nun das Gerücht, „daß die „Neujuden" AU Ostern das Blut Christi trinken." So entstand nun das Mährchen. das später von raubsüchtlgen und habgierigenMudenfeinden benutzt wurde, um Judenhetzen und Judenschlächtereien in Szene setzen zu können.