Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 ständigen Emancipation befähigt und daß die praktische Handlnngs- und Lebensweise der Juden im Großen und Ganzen mit jenen Prinzipien übereinstimmt — was nicht am wenigsten aus der österreichischen Verbrecher- Statistik, zu der die Juden ein verhältnisgemäß geringes Procent liefern, und ebenso aus der Thätigkeit derselben in allen Berufsarten und Stellungen hervorleuchtet. Herr Wertheimer zeigt in dieser Schrift warme, mit Vernunft gepaarte Begeisterung für das Judentum und ein lebhaftes Gefühl für seine Glaubensgenossen, bei denen sicher Vieles anders wäre, würden sie unter ihren hochgestellten Brüdern Viele mit der Gesinnung eines Wertheimer besitzen. In demselben Verlage ist eine wissenschaftlich sehr wertvolle Schrift erschienen, die sich „Gutmeinung über den Talmud der Hebräer" betitelt. Dieselbe ist von dem bekannten k. k. Censor, Revisor und Translator Carolus Fischer in Prag vor 80 Jahren als Manuskript verfasst worden, und obgleich sie der Verfasser, wie er selbst angibt, nicht zum Drucke bestinunt hat, so muß man es doch dem gelehrten, in das jüdische Schrifttum tief eingeweihten und unermüdlichen Vorstandsmitgliede der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Em. Baumgarten als großes Verdienst anrechnen, daß er sich zu so passender Zeit die Mühe nahm, dieses Werk der Verteidigung, des Talmud von Seite eines gelehrten Nichtjuden, in schöner Ausstattung der Öffentlichkeit zu übergeben. Carolus Fischer, mit dem selbst der berühmte Rabbiner El. Flekeles eine talmudisch - wissenschaftliche Correspondenz in hebräischer Sprache unterhielt, hat während der Zeit seines Wirkens viele Proben seiner Kenntnis der semitischen Sprache und der rabbinischen Litteratur geliefert, die er durch die genannte Schrift, welche glücklicherweise einen würdigen Herausgeber gefunden, noch bedeutend vermehrt. — Veranlassung zu dieser litterarischen Arbeit gab ihm, wie er selbst schreibt, die Klage eines Freundes: „seitdem sie (die jüdische Nation) in allen Teilen der Welt, im Elend und im Drucke, zerstreut lebt, haben ihr allerhand Feinde viel unverdiente Drangsale, viel Mißwand verursacht und Dinge aufgebürdet und angedichtet, die bei keinem gesunden Menschenverstände Eingang finden können. Man muß sich wundern, daß selbst besser denkende Leute z. B. noch glauben, die Juden Hütten zu ihrem jährlichen Osterfeste Christenblut nötig und giengen mit selbem so sparsam um, daß sie sich's einander in Federkielen mitteilten. . . Es gibt vielleicht keine Absurdität, die man nicht aus dem Talmud hergeleitet wissen wollte und dergleichen Torheiten mehr, die nicht wert sind, erwähnt zu werden, weil sie den Stempel der Unwahrheit tragen." Durch diese Worte aufgeregt, greift der Wächter der hebräischen Werke zur Feder, weist in sittlicher Entrüstung" alle Vorwürfe gegen den Talmud und das rabbinische Schrifttum zurück, entkrüftigt die Anklagen, daß der Talmud den Wucher begünstige, absurde Erzählungen enthalte und unter „Acknm" Christ verstehe, und spricht sein Bedauern über das Unheil aus, welches Leute mit derlei Erfindungen angerichtet haben. Bedenkt man nun, daß diese Schrift vor mehr als 80 Jahren von einem Nichtjnden abgefasst wurde, der 50 Jahre als Censor und Translator im hebräischen Fache thütig war, so sollte sie doch die Augen der Blinden öffnen, und eine wahrheitsgetreuere Anschauung über den Talmud Platz greifen und Würdigung finden.