Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-07-01 · Heft 7 (1.7.1883) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 7 (1.7.1883)
Date
1883-07-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969706--0796-2971230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 so schwer es ihnen auch wird, nicht verbittern lassen, sie müssen unbeirrt fortfahren dem Grundsätze Göthe's zu huldigen und zu leben: edel sei der Mensch, hülfreich und gut und die Lehre Lessings zu befolgen: Es eifre jeder seiner unbestochnen Von Vorurteilen freien Liebe nach — mit Sanftmut Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wolthun, Mit innigster Ergebenheit in Gott! Dieselben Gedanken für das alttestamentarische Bibelwort: Weohawto lereecho komanucho, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! und für den altjüdischen Väterspruch: ^ubew es habrijaus, Liebe alle Geschöpfe! Von Hillel — der sechzig Jahre vor Christus lebte — wird erzählt, daß ihn ein Heide gefragt, ob er ihn die Grundsätze des Judentums lehren könne, während er auf einem Fuße stehe, sein strenger Kollege Schamai habe ihn auf gleiche Anfrage abgewiesen. Hillel erklärte sich bereit und sagte dem Heiden: Was Judentum lehrt und vorgeschrieben: Heißt kurz: Du sollst die Menschen lieben. Und hierin liegt auch die Antwort auf die Frage nach den Aufgaben der Deutschen jüdischer Herkunft. Sie sollen keinen eignen Stamm bilden, denn sie sind Deutsche; keine abgeschlossene und abschließende Religionsgenossenschaft, denn ihr Gott, ihre Sittenlehre sind der Gott aller Menschen, die Sittenlehre aller Gesitteten. Sie sollen aber eingedenk bleiben ihrer Leidensgeschichte — wofür die Gegenwart und eine leider unabsehbare Folgezeit schon von selbst sorgt. Und diese ihre Leidensgenossenschaft — der Grundsatz Judaeus sum, nil Judaici a me alienum puto — Ich bin eilt Jude, nichts was Juden trifft ist mir gleichgültig — beseele ihr Pflicht-, Ehr- und Mitgefühl. Aber er erweitere sich in ihnen zu dem Grundsätze homo sum, nil humani a me alienum puto: Deutscher jüdischen Ursprungs, denke, fühle, handle human — und aus der ältesten unter den Religionsformen der Gegenwart ersteht die Religionsform der Zukunft: die Hnmanitüt. Weferate und Mitteilungen. Von dem vielverdienten Präsidenten der „Israelitischen Allianz zu Wien" ist in der jüngsten Zeit im Verlage von Alfred Hölder, Wien 1886, eine Schrift: „Jüdische Lehre und jüdisches Leben" erschienen, die nachweist, daß die jüdische Lehre, wie sie in Gotteshaus und Schule vorgetragen wird, in Bezug auf Staat, Vaterland und Mitmenschen die lautersten und heilvollsten Sentenzen zur Bethätigung bringen will und daß das jüdische Leben den Anforderungen derselben mindestens in demselben Maße genügt, wie das christliche. Herr Josef Ritter von Wertheimer, der bei seiner Abhandlung allerdings zunieist die Juden in Österreich im Auge hat, stellt Speeialfragen auf, ähnlich jenen, die Napoleon I. dem von ihm im Jahre 1806 einbernfenen Synhedrion vorlegte, und macht es in kurzen Antworten jedem klar, daß das Judentum vermöge seiner sittlichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Principien die Bekenner desselben zur voll-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.