Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 fertigung. Sprich sanft und gelassen zu ihm. Grausam mögen die Götzendiener sein. Die Nachkommen des Patriarchen Abraham's dagegen sollen mit fühlen und mit empfinden, wie Gott, der sich aller Geschöpfe ohne Ausnahme erbarmt." (Daselbst 9, 8. und Kesuboth 61a.) „Aber ebenso wie der Herr verpflichtet ist den ganzen Lohn zur Zeit zu zahlen, so ist auch der Arbeiter verpflichtet, die Arbeit nicht zu verkürzen, indeni er müßig ein wenig Zeit hier und ein wenig dort verstreichen läßt. Er muß vielmehr mit der Zeit kargen. Die Weisen haben den Arbeiter vom vierten Teile des Tischgebets befreit. So hat es auch Jakob gethan: denn er spricht: mit meiner ganzen Kraft habe ich eurem Vater (Laban) gedient und Gott gestattete Glicht, mit mir übel zu verfahren. (1 M. 31,6. 7.) Zwanzig Jahre — so spricht er zu Laban — habe ich dir gedient. Die Widder deiner Schafe habe ich nicht gegessen. Zerrissenes habe ich dir nicht gebracht. Ich mußte es büßen. Von meiner Hand hast du es gefordert, was am Tage, was in der Nacht gestohlen war. Am Tage verzehrte mich die Hitze und der Frost in der Nacht kam, und nie schloß der Schlaf meine Augen. (Daselbst v. 38, 39. 40.) Der Manu wurde aber auch dafür reich, wie'es heißt: mit einem Stabe habe ich den Jordan überschritten und jetzt bin ich zu zwei Lagern geworden." (I. M. 32, 12. Maimonides H. Sechirot 13, 7.) (Schluß folgt.) Die Aufgaben der Deutschen jüdischer Kerkunft. Ein Vortraa von Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. (Schluß.) Es wird zwar heute schärfer als vor Jahrzehnten von gewissen Seiten die Notwendigkeit einer lebendigen positiv-religiösen Haltung betont. Hierbei wird zweierlei vermischt und verwechselt. Zuzugeben ist, daß vielen Kreisen die heilige Scheu, der ideale Sinn, die wahre Religiosität niangelt, daß Menschenliebe, Menschenfreundlichkeit, Uneigeunützigkeit, Erbarmen, Geduld, Pietät vielfach vermißt wird, ja daß eine Rohheit der Sitten, eine Verwilderung des Herzens sich auch ja gerade da zeigt, >vv es an Wissen und Verstaudesbildung durchaus nicht fehlt. Aber diese Erscheinung tritt da, wo man sich an althergebrachte religiöse Formeln und Formen anklammert, nicht minder, ja stärker hervor, als anderwärts. Hand in Hand mit der politischen, ging von jeher die religiöse Bewegung. In Zeiten politischer Begeisterung entflammte auch der religiöse Freisinn, in Zeiten politischer Verdumpfung verdumpfte auch die Religion. War hier Ebbe, Rückschritt, war es auch dort der Fall. Und wir leben jetzt in den Zeiten der Ebbe. Das aber, was heutzutage mit vollem Rechte betont wird: die sociale Frage: hat allerdings mit der religiösen — wenn mau Religion im ethischen Sinne auffaßt — sehr viel, mit der positiven Religion dagegen blutwenig zu schaffen. Es giebt Hartherzige unter den Orthodoxen, und Liebevolle unter den Freigeistern. Allerdings erfordert die hingebende Fürsorge für die Armen und Bedrängten Herz, und die Herzensbildung hat mit der des Verstandes nicht gleichen Schritt gehalten. Wohl haben die verschiedenen Religionsgenossenschaften zu allen Zeiten für ihre Armen viel gethan, Aber diese Wolthätigkeit, die