Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 — Liebe zu leben, zu wirken und zu schaffen. „Ehre durch Wort und That deine Eltern, damit du gesegnet werdest mit ihrem Segen." (Sirach 6, 6.) „Des Vaters Segen gründet das .Haus der Kinder und Wohlgefallen vor Gott findet, wer seine Mutter hochschätzt." (Daselbst V. 5.) Diese Stimme in deinem Innern, die dich an das Vaterherz ruft, ist göttlich. „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham, und der Gott deines Vaters Jsak, ich will init dir sein und dich behüten auf allen deinen Wegen." (1. M. 22, 8. Raschi.) „Höret auf mich, die ihr der Tugend nachgehet! Blicket auf den Fels, aus dem ihr gehauen, blicket hin auf Abraham, euren Vater, auf eure Mutter Sarah. Er war der Einzige, den ich gerufen, gesegnet und groß gemacht habe." (Jes. 51, 2.) „Von mir geht aus die Lehre und mein Gesetz will ich hingießen über alle Völker". (DaselbstV. 4.) 3. Die Verwandten. „Das Herz bestimmt dem Menschen die Bahn und der Herr leitet die Schritte." (Spr. 16, 9.) „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen. Wohin du gehst, dorthin will auch ich, >vo du weilst, dort will auch ich weilen. Dein Gott, er ist der meine auch. Wo du stirbst, dort will auch ich sterben. Dort will ich begraben werden. So thue mir der Herr und so fahre er fort. Der Tod allein nur soll uns trennen." (Ruth 17—17.) Ein Gott lebt im Herzen aller Menschen, er durchzieht alle Gemüter. Aber im Blute der Verwandten, da wirkt er mächtig und verkettet ihr Leben und Streben, ihr Wirken und Schaffen, ihr Dichten und Denken. „Du kannst dich nicht deiner Verwandten entziehen", (Jes. 58, 7.) und wenn einer von ihnen verarmt, gezwungen ist in den Dienst eines Fremden zu treten, so wirst du ihn aus seiner Notlage befreien." (3. M. 25, 47—49.) „Der Bruder entsage zu Gunsten seiner Schwester seinem Erbteil." (Kehubot 108b.) „Abraham zog zu Felde, um seinen Verwandten Lot zu retten." (1. M. 14.) 4. Die Diener des Hauses. „Zu jeder Zeit, da der Mensch über Menschen schaltet, ist es zu seinem eigenen Nachteil," (Kohelet 8, 9.) „Wenn ich verachtet hätte das Recht meines Knechtes oder meiner Magd, wenn sie ihr Recht mir vorführten; was thäte ich, stünde Gott auf, und mich zur Rechenschaft ziehen würde. Könnte ich ihm erwiedern? Ward nicht auch er (der Knecht) so wie ich geboren, gebildet so wie ich?" <Job 31, 13—15.) Der Mensch gehört keinem Stande an, er ist frei geboren und durch seine Anlagen und Fähigkeiten erhält sein Leben eine bestimmte Richtung. Die Erziehung und der Unterricht trägt das innere Wesen in die Seele und so erwacht das Bewußtsein der inneren Stärke. Wenn die Erziehung und der Unterricht dieses Kraftbewußtsein verkümmern ließ, wenn das grausame Geschick die zarten Saiten unseres Herzens zerreißt, die Not das geistige Licht unserer Seele entzieht und das Ebenbild Gottes in das Herz zurückdrängt den Menschen zum Menschen treibt, um am Tagewerk den kargen Bissen Brot in ehrlicher Weise zu erobern, sollten wir ihn gering achten. Er ist ein Mensch wie du, ist wie du im Ebenbild Gottes geschaffen. Wie dein Herz schlägt das seine, er fühlt und empfindet, wie du. Demütige ihn nicht. Issest du weißes Brot, reiche ihm kein schwarzes, trinkest du alten Wein, gieb ihm nicht jungen, lasse ihn nicht auf Stroh schlafen, indeß du dir weich bettest" (Kiduschin 20a.) Er sei dir ein Bruder. (Maimon H. Abadim 1. 9. - Beschäme ihn nicht durch Worte; denn er ist wohl verpflichtet zu arbeiten, jedoch nicht Beschimpfung zn ertragen. Zürne ihm niemals, leihe ihm ein Ohr seiner Recht- 15