Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 160 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Bündnis in das Herz gepflanzt. Das Verwandtschaftsgefühl soll Geist haben; denn Gottes sind die zarten Kinder." (Malachi 2, 15.) Diese erhabene, göttliche Stimme in unserem Herzen, diese Urquellen aller Liebe und Menschlichkeit, darf nicht versiegen." (Kehubot 645. » Vater und Mutter sind dazu berufen diesen verschlossenen Teil der Innenwelt des Kindes zu wecken. Die Mutter ist die Maiensonne des kindlichen Gemütes, der Vater der fruchtbare Boden, der immer frische Säfte den erwachenden Anlagen zuführt. „Der Mutter eigenes Gewand ist die Macht ihrer Würde. Froh lächelt sie der Zukunft entgegen. Zu weiser Rede öffnet sie den Mund, und liebevolle Lehren trägt sie auf der Zunge. Des Hauses Ordnung überwacht ihr Blick, damit ja nicht Trägheit.. das Brod verzehre. Nicht lischt aus ihre Lampe in der Nacht; sie fürchtet nicht, daß der Winter naht. Bekleidet hat sie für jede Jahreszeit ihr Gesinde. Sie greift mit ihren Händen gewandt nach dem Rocken, und faßt den Spindel sicher. Noch ist es Nacht und sie ist aufgestanden und sorgt für den Unterhalt des Gesindes und giebt die Weisung ihren Mägden. Da reicht sie dem Armen ihre Hand, dort bietet sie den Arm dem Dürftigen. Schon verbreitet sich weithin der Ruf ihres Mannes, schon sitzt er im Nathe der Weisen und noch webt sie den Schleier zum Verkauf und bietet Gürtel an dem Kaufmann. Ihre Söhne wachsen heran und preisen sie glücklich, Huldigung bringt der Gatte ihr entgegen. Herrliches schaffen ihre Töchter. Sie selbst überragt sie alle. Was ist Anmut und was Schönheit? Der edlen Mutter nur gehört der Ruhm." (Spr. 31, 14—31). Die süße Eintracht, der traute häusliche Friede baut auf das Haus, da waltet und schaltet der Mutter zarte Hand und des Vaters weiser und überlegener Sinn giebt das Gesetz, die Lehre. Mit seinem ganzen Leben ist das Kind an solche zwei Herzen geleibt und es wächst groß in der Liebe und dem wolthuenden Einflüsse dieser himmlischen Erziehung. „Wer seinem Kinde die wahre Erkenntnis lehrt, hat das Verdienst, als wäre er am Berge Sinai gestanden; (Berachoth 51b, Sanhedrin I7b) denn die Erziehung der Kinder geht jeder andern Pflicht voran." (Kiduschin 30a.) 2. Die Kinder. „Als Rabbi Jose Vorträge vor seinen Schülern hielt erschien seine Mutter und der Rabbi erhob sich und sprach: Ich will mich erheben und entgegengehen der göttlichen Majestät." Rabbi Teriphon erzählte den Weisen mit welcher unendlichen Sorgfalt er seine alte Mutter pflege. „Du hast noch längst nicht die Hälfte jenersihr gebärenden Ehrfurcht ihr erwiesen, als bis du deine Habe und dein Gut läßt und dich ganz dieser Liebe hingiebst und in dieser Liebe aufgehst." „Wohl dem, der seine Eltern nicht gekannt, sagt Rabbi Jochanan. Wie ist es möglich alle diese heiligen Pflichten, die man Vater und Mutter schuldig, zu erfüllen. Wohl ist jedem Herzen des Kindes das Gebot: „ehre Vater und Mutter, damit du lange lebest" (2. M. 20, 12.) eingegraben. „Aber so mancher reicht seinem Vater gebratene Tauben und hat kein Verdienst, weil dieses reinste Gefühl der Liebe getrübt, matt und schwach sich beteiligt. So mancher aber läßt seinen Vater das Mühlrad drehen und erwirbt sich das ewige Leben." (Kiduschin 31-,.) Was ist der Mensch, dem diese Stimme im Herzen fehlt, oder vielmehr ju dem sie spricht und er versteht sie nicht? Das wilde Tier klammert sich uni das Mutterherz und unter den Flügeln seiner Mutter fühlt sich der raubgierige Adler geborgen. Um wie viel mehr ist das Menschenkind, das da weiß, was es fühlt, das die unendliche Sorgfalt der liebevollen Eltern begreifen kann, verpflichtet mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele in dieser kindlichen