Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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159 wächst, sicher fortwandeln." (Spr. 26, 6.) In der Erkenntnis liegt die Macht und Größe des Menschen, in der innern Bildung der Adel seiner Seele, die Hoheit seiner Gesinnung. Das Ideal liegt im Herzen des Menschen, das soll er zu befreien trachten, um als Ebenbild Gottes, diesem obersten Ideal sich zu nähern. „Wenn ich nichts für mich thue, wer soll es dann." (Aboth 1, 14.) „Vor dir liegt dein Leben und dein Tot, wähle doch das Leben." l5. M. 30, 19, Maim. H. Teschuba 5) Dann bist du frei und nicht gebunden durch irgend ein Gesetz. In jeder Lage findet der Edle sich zurecht und flieht die Hilfe Anderer solange seine Kräfte gesund, sein Geist frisch und unangekränkelt bleibt. „Den Sabbat macht er zu Wochentagen, damit er keines Menschen bedürfe." (Pessachim 112a.) „Nicht baut er sich eine Treppe zum Oberstock, den er nicht besitzt." „Muthig wie ein Parder, schnell wie der Adler, flüchtig wie das Reh, wie der Löwe entschlossen steht er da, gilt es für den höhern Willen einstehen, für Wahrheit und Recht in die Schranken zu treten." (Aboth 5, 23.) „So lange ein Lebenshauch in mir ist, in meiner Seele noch ein göttlicher Gedanke, sollen meine Lippen nichts Unbilliges sprechen, meine Zunge nichts Falsches lehren. Fern sei es von mir bis in den Tod ein falsches Urteil auf mir ruhen zu lassen, meine Unschuld lasse ich mir nicht rauben. An meiner Tugend halte ich fest. Mein Herz wirft mir kein Unrecht vor, selbst wenn ich leide. Ich mache euch vertraut mit der Allmacht Gottes, was der Schöpfer sei, verhehle ich nicht." (Job. 27, 2—11.) III. Die Gesellschaft. I. 1. Die Kamilie. „Wie soll ich dich segnen, fragte ein Wanderer der Wüste den Baum, dessen Schatten ihil vor der Sonnenglut geschlitzt. Du stehst an der unversiegbaren Quelle, tief auf fruchtbarem Boden ziehen sich weithin deine Wurzeln, deine weiten Zweigen streben hoch empor, und frisches Laub bedeckt die zahllosen Reiser deines Wipfels und süß sind die Früchte, der schönste Schmuck deines edlen Stammes. Dich hat Gott gesegnet. Doch eines will ich dir wünschen, mögen alle deine Sprossen sein wie du." (Sanhedrin 5 b.) „Enkel sind die Kronen der Greise und der Ruhm der Kinder sind ihre Väter." (Spr. 17, 6. Midr. Rab. 1. M. 25, 19.) Der Vater geht den Kindern als Vorbild voran. Er lehret die Kinder und spricht über die göttliche Erkenntnis mit ihnen, wenn er sitzet zu Hause, wenn er geht auf dem Wege, wenn er sich niederlegt und wenn er aufsteht." „So spricht Gott: der Geist, der auf dir ruht und die Worte, die ich in deinen Mund lege, sollen nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen, spricht der Herr von nun an in Ewigkeit." Wo ist ein Wort das tiefer in der Seele des Kindes Wurzeln schlagen könnte, als eines aus dem Munde des guten und edlen Vaters, dessen Herz und Seele so innig mit dem seines Kindes verwachsen sind. Das Fühlen und Empfinden des Vaters ist bereits vergeistigt, und er denkt, was er fühlt." Das Kind aber besitzt nur das Gefühl, das dem seiner Eltern verwandt ist. Es begreift seinen Vater am besten. Ein lehrreiches Wort aus dem Munde des Vaters wirkt wohlthuend wie ein Thautropfen. Tausend Gefühle regen sich in der kindlichen Brust und setzen sich fest in der Seele. „Der Ewige hat dies