Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 fühlen, voll dein Geist von den schönsten Gedanken. Du liebst alles, jeden. „Triffst du den Ochsen deines Feindes auf dem Felde verirrt, so fängst du ihn ein und bringst ihn deinem Feinde zurück." (2. M. 25, 4. 5.) „Du hilfst fort deinem Feinde, wenn du siehst, daß sein Esel unter der Last seufzt." „Denn so spricht der Herr: Wegen der drei Sünden und wegen der vier sollte ich Edom .nicht vergeben? Daß er seinen Bruder mit dem Schwerte verfolgte, daß seine Liebe entartete, daß sein Zorn unbändig zerfleischt und auf die Wut nicht vergißt." (Amos 1, 11.) Das kann das gebildete Herz nicht, das kann nicht der Weise, der sein eigenes Gefühl kennt und weiß, wie jede Kränkung, jede Zurücksetzung in der Seele schmerzt. „Zurechtweisen mußt du deinen Nächsten und niemals Haß nachtragen." (3. M. 17, 18.) Zeige ihm dein eigenes Gefühl und rufe sein Gefühl wach. „Sei nicht hartherzig und vergieb deinem Nächsten, habe Nachsicht mit seinen Schwächen. Sieh doch, Abraham betete zu Gott für Sodom und Gott sprach, wenn ich fünf Gerechte finde, will ich die ganze Stadt verschonen." (1. M. 20, 17, Maim. H. Deoth 7, 6.) „Die Schwächen banne und die Bösen sind nicht mehr." In dieser Weise wirkt und schafft der Mensch, er veredelt tausende Andere und heilt zahllose kranke Seelen, denen er als Vorbild vorschwebt. Aber auch werkthätig muß der Mensch eingreifen, den Wolstand Anderer emporzubringen, Anderil helfen, sie nach Kräften unterstützen. „Weit offen sei dein Haus und die Armen und Bedürftigen seien die Kinder deines Hauses." (Aboth 1, 5.) „Wer den Armen hilfreich entgegenkommt, hat weniger als Mosis den Zorn Gottes zu fürchten." (B. Batra 9b.) „Zuerst speise hie Hungrigen, dann bekleide sie." (Daselbst 9a.) „Aber lasse dich nicht, indem du durch deinen Wohlstand, oder durch deine Überlegenheit in der Lage bist, gebeugte Herzen aufzurichten, kranke Seelen zu heilen, von dieser That verleiten, nach dem Scepter zu greifen. Liebe die That und fürchte die Herrschaft. (Aboth 1,10.) „Wer nach Ehren jagt, den flieht die Ehre." (Aboth 6, 15.) „Wahrlich, das ist ein gottgefälliges Werk, der Bosheit Ketten lösen; von der Last der Bürde befreien, Freiheit geben den Gefesselten und befreien die Schulter von jeglichem Joch. O brich dein Brod dem Hungrigen. Öffne dem Unglücklichen deine Thür. Entziehe dich nicht deß, der deines Fleisches ist. Dann wird dein Licht wie Morgenrot aufgehen, und deiner Seele Heil aufsprießen. Dann zieht einher vor dir die Tugend, die Majestät Gottes beschließt den Zug, dann ruf ihn an. Der Herr antwortet, flehe getrost und er spricht: Hier bin ich. Aber entferne erst aus deiner Mitte jede drückende Bürde, die Tücke verlüumderischer Rede. Den Hungrigen labe willig deine Seele. Sättige gerne jedes schinachtende Gemüt. Dann geht im Dunkeln auf dein Licht, die Finsternis wird helle Mittagssonne. Daun leitet dich der Herr immerwährend, er erquicket deinen Geist zur Zeit der Dürre und verleiht immer neue Kraft- Wolgewässerten Gärten gleichst du dann, gleichst frischen Wasserquellen, deren Ströme nie versiegen." (Jes. 58.) 6. Die persönliche Freiheit. „Nicht leere Worte lege ich dir vor. Das ist vielmehr euer Leben." (5. M. 32, 47.) „Durch sie sollt ihr zu dem herangebildet werden, was ihr sein sollt." (Midr. Tanchuma 5. M. 26, 16.) Frei geboren ist der Mensch, frei durch das Gesetz, das in ihm leibt und lebt. Mit der Ausbildung des Gemütes durch die Erkenntnis kommt es zum Vorschein und wirkt dann fest und sicher, giebt dem Menschen seine Richtung und zeigt ihm seinen Charakter. „Leite den Knaben seinen Anlagen gemäß auf seine Lebensbahn und er wird, wenn er heran-