Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Seit der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus, nicht lange nach der Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi, also seit der Entstehung des Christentums, ist weder Menschenopfer noch Götzendienst bei allen Söhnen Israels ans dem ganzen Erdenrunde gefunden worden. Nirgends hat das jüdische Volk, noch die 1800-jährige Religions-Geschichte derselben Veranlassung zu der abscheulichen Blutbeschuldigung gegeben, der Jude töte Christenkinder und verwende ihr Blut zu irgend einer Zermonie. welcher Art sie auch sei. Ferner erkläre ich, als ehemalicher Rabbiner, von einer alten rabbinischen Familie abstammend, daß es in dem Bereiche der ganzen jüdischen Theologie nicht ein einziges Buch gibt, weder ei» gedrucktes noch ungedrucktes in welchem auch nur mit einem Worte einer solchen barbarischen Handlung erwähnt wird, (ausgenommen et'ra die Verteidigungen,) daß es auch weder eine geheime, noch öffentliche Tradition unter den Juden gebe, durch welche sich jenes Verbrechen hätte fortpflanzen können. Endlich beschwöre ich als Levit, möglicherweise als direckter Nachkomme Mosis, jedenfalls aber zu seinem Stamme gehörend, folgendes: Es gibt keine große, auch keine kleine Genieinde in ganz Israel, keine jüdische Sekte und keine jüdische Familie auf der ganzen Erde, in welchem das Blut eines Menschen zu irgend einer Zermonie verwendet wird, sei er Jude, sei er Christ, sei er Türke oder sonst ein Mensch auf Erden. — So wahr mir Gott beistehen möge in der Stunde meines Todes und mich selig werden lasse in seinem eingebornen Sohne Jesu Christi, meinem Erlöser! Amen!" *) Immerhin ist es traurig genug, daß es gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts dahin gekoinmen ist, daß wir erst uns auf solche und ähnliche Aeußerungen berufen müssen um die falschen lügenhaften hämischen Behauptungen und boshaften Vorwürfe der Antisemiten widerlegen zu können. Gott bessre es! (Schluß folgt.) Grundgedanke der öiötilch-latmudischen Ellttk von Oskar Waldeck. 5. Die Thal. „Der Mensch muß Gottes Eigenschaften nachahmen! Gott bekleidet die Nakten, Pflegt die Kranken, speist die Hungrigen, tröstet die Trauernden u. s. w. Das Alles soll auch der Mensch thun." (Sota 14a.) Die That ist der beste Ausdruck des Willens. In der That lebt das Wesen, da zeigt sich der Charakter. Durch die That zeige, wer du bist und „erwirb dir einen Namen in der Gesellschaft." (Aboth 2, 7.) „Zuerst lerne sein, was du sein sollst, dann sei es auch." (Kiduschin 40b.) Bist du es geworden, dann ist voll betu Herz von edlen Ge- *) In jüngster Zeit hat auch der Bischof von Fnlda Dr. Kopp ans Befragen die schriftliche Erklärung abgegeben, „daß die Annahme, es könnte von Juden Christenblut zu rituellen Zwecken jemals gebraucht wordeu sein, weder durch die jüdische Religion, noch durch die Geschichte zu begründen ist, und daß eine derartige Beschuldigung, auf welche Voraussetzung immer sie zurückgeführt werden möge, als eine entschiedene freventliche Unwahrheit bezeichnet weiden muß."