Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-07-01 · Heft 7 (1.7.1883) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 7 (1.7.1883)
Date
1883-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969706--0785-2971219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

155 Im Jahre 1858 entfernte sich heimlich die Magd des Leopold Weiß aus Felsö Jregh weil ihr eine Hebamme in den Kopf gesetzt hatte, daß die Juden zum Osterfeste Christenblut benötigen. Kaum war die Magd verschwunden, als die Hebamme das Gerücht verbreitete, L. Weiß hätte die Magd ermordet. Die Aufregung war eine große und L. Weiß sah sich genötigt vor allem den Ort zu verlassen und die verschwundene Magd aufzusuchen. Nach langen Irrfahrten fand er endlich dieselbe in Szöllos auf einer Pußta wo sie bet Verwandten weilte. Das Mädchen empfand tiefe Reue und folgte freudigen Herzens ihrem Herrn. Im Jahre 1863 hat in Smyrna eine Judenhetze stattgefunden, weil man sie beschuldigte ein Kind ermordet zu haben, das blos um einige Stunden verspätet aus der Schule nach Hause gekommen ist. Im Jahre 1882 wird in Tisza Eszlar das alte oder richtig mittelalterliche alberne Märchen vom Gebrauche des Christenbluts aufs neue aufgetischt, gegen die Juden gehetzt, obgleich Päpste und Fürsten selbst in den finsteren Jahrhunderten des grausamen Mittelalters die hier oft erwähnte Blutanklagen mit Entrüstung entschieden zurückgewiesen haben. Selbst Luther, der den Juden nicht sehr gewogen war, schrieb über diese Blutklage: Wir gehen mit Lugenteydiugen umb, geben ihn Schuld sie müssen Christenblut haben, und was des Narrenwerks mehr ist" rc. Wülfer hatte trotz seiner judenfeindlichen Gesinnung nicht umhin können es einzugestehen, „daß die Juden so lange und so grausam um nichts von den Christen verfolgt worden sind, daß die Anschuldigung vom Blutgebrauch gegen sie eine boshafte Erfindung sei, und das Zeugnis getaufter Juden gegen Juden wenig Glauben verdiente." Wagenseil verfaßte eine eigene Schrift, in welcher er die Unwahrheit der Blutbeschuldigung klar und deutlich nachgewiesen. „Es möchte noch hingehen, wenn es bei dem bloßen Geschwätze bliebe; aber daß wegen dieser vermaledeiten Unwahrheit die Juden geplagt, gepeinigt und ihrer viele Tausend hingerichtet worden, hätte auch die Steine zum Mitleid bewegen und schreien machen sollen."*) *) Während die beiden Judenfeinde Wülfer und Wagenseil ehrlich genug waren zu erklären, daß die Fabeln von Christenblnt zu Ostern, von Hostienschändungen rc. nichts als schändliche Lügen sind, erkühnte sich der boshafte Judenfresser Eisenmenger in seinem berüchtigten Buche „Entdecktes Judentum", dem Arsenale, aus welchem allein die modernen wahnbethörten vamane. wie Rohling, Henrici, Jstoczy und Consorten ihre Waffen holen um dem biblisch-talmudischen Judentums recht derbe Hiebe versetzen zu können, alle diese Berläumdungen als wahre historisch begründete Thatsachen zu bezeichnen. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier Nachweisen, wie Eisenmenger absichtlich viele Sätze mit Hinweglassung der Bor- und Nachsätze aus dem Talmud gerissen hatte, um hierdurch den Sinn entstellen und das sagen zu können, was er eben auß dem Talmud herauslestn wollte, nach den Worten des Dichters: „Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr's nicht aus, so legt was unter!" Jedoch das eine können wir nicht unterlassen zu erwähnen, daß Professor Joh. Dav. Michaelis, dessen judenfeindliche Gesinnung in Fachkreisen hinlänglich bekannt ist, Eisenmengers Pamphlet eine „Lästerschrift" genannt hatte. In einer Recension der Dohm'schen Schrift äußerte sich Michaelis über Eisenmengers „Entdecktes Judentum" folgendermaßen: „Auch in dem gebe ich Dohm Recht, was er gegen Eisenmenger's entdecktes Judentum sagt, danach er die Juden nicht beurteilt haben will. Ich halte Eisenmenger's entdecktes Judentum für ein gelehrtes Buch, und lerne daraus sehr oft, wenn ich nachschlage; aber dabei ist es äußerst feindselig und ungerecht, und wenn einer gegen eine der drei im römischen Reiche eingeführten Religionen etwas dergleichen schriebe, so würde man es eine Lästerschrift

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.