Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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150 zwei Zeugen, welche aussagten, sie hätten gesehen, wie der alte Fisch den Knaben Jani abfangen und in seine Wohnung bringen ließ. Ein anderer Zeuge sagte unter seinem Eide aus, er habe gesehen, wie der alte Fisch das Blut des zum Opfer geschlachteten Jani auffieng. Auf Grund dieser Zeugenaussagen ward der alte Fisch zum Tode verurteilt. Obergespan des Szabolcsor Commitats war damals I. K., ein Mann von biederem Charakter und von großer Bildung. Er verzögerte so lange als möglich die Vollziehung des Todesurteils, und die Entwicklung der Affaire, gab ihm Recht. Ein Knecht des alten Fisch führte Heu in das dritte Dorf. Als er im Hotter dieses Dorfes ankam, sah er den kleinen Jani am Wiesenrain eine Gänseheerde hüten. Er brachte den Knaben nach Nagy-KaÜo, um seinen Herrn aus seiner traurigen Lage zu befreien. Unterwegs erzählte der Knabe, er sei seinem Adoptiv-Vater entlaufen, weil er an jenem Tage in der großen Hitze eingeschlafen war und als er erwachte sah, daß eine Anzahl von Gänsen fehlte. Aus Furcht vor der Strafe sei er in das dritte Dorf geflohen. Der kleine Jani ward sogleich dem Obergespan vorgeführt, der alte Fisch aber durch den Beschluß einer außerordentlichen Commitats-Congregation in Freiheit gesetzt. Die falschen Zeugen wurden zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Am 5. Februar 1840 verschwand plötzlich in Damaskus, der Hauptstadt Syriens, der Guardian eines Kapuzinerklosters, Namens Pater Thomas mit seinem Diener. Niemand konnte erfahren, wohin der Pater Thomas, der sich mit der Heilkunde beschäftigte und daher in der Stadt eine bekannte Persönlichkeit war, gekommen sei. Da nun einige Leute sich fanden, die angaben, daß sie den Pater vor dessen Verschwinden im Judenquartier gesehen haben, beeilten sich die judenfeindlich gesinnten Mönche sofort das Gerücht zu verbreiten, die Juden hätten den Thomas und dessen Diener ermordet, um das Blut derselben zur Bereitung der Osterbrode zu gebrauchen. Über Anregung der französischen Consuls Ratti-Mentou, der selbst im fünfzehnten Jahrhundert die Rolle eines Großinquisitors trefflich zu spielen fähig gewesen wäre, ließ der Gouverneur der Stadt, Scherif Pascha sieben der reichsten und angesehendsten Juden von Damaskus in den Kerker werfen und auf grausame Weise foltern, um Geständnisse von ihnen erzwingen zu können. Da sie aber trotz aller Folterqualen standhaft blieben und um keinen Preis in der Welt bewogen werden konnten, Thaten einzugestehen, die sie nie begangen, ließ Scherif Pascha mehr als sechzig jüdische Kinder zwischen 3—10 Jahren den Eltern entreißen, in ein besonderes Zimmer eiusperren und dem Hunger preisgeben. Er glaubte durch diese Tyrannei den armen schmerzerfüllten Müttern Geständnisse erpressen zu können, und als auch dieses nicht nützte, ließ er noch andere schauderhafte haarsträubende Foltern anweuden. Zum größten Unglück hat sich auch auf der Insel Rhodus ein ähnlicher Fall gerade um jene Zeit ereignet. Ein zehnjähriger Grieche hatte sich erhängt und sofort wurde von den Christen das Gerücht verbreitet, die Juden hätten ihn ermordet und dessen Blut dem Oberrabbiner von Constantinopel überliefert. Ein Jude wurde auf Aussage zweier griechischer Weiber des Mordes verdächtigt und auf eine solch' bestialische Weise gefoltert, daß er in seinem fast leblosen Zustande die gewünschten Geständnisse gemacht. Man hat ihm nämlich die Nasenflügel mit einem eisernen Draht durchbohrt, glühende Kohlen auf den Kopf und einen schweren Stein auf's Herz gelegt. Was Wunder, daß er alles gethan was man von ihm gewünscht. In Folge dieser beiden Ereignisse erhob sich ein furchtbarer Sturm in ganz Syrien und in der Türkei gegen die armen schuldlosen Juden. Judenhetzen kamen in Damaskus, Bairut und andern Orten vor. Die