Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Menschheit zu nützen durch gute Thaten und segensreiches Wirken — und wir können getrost in unsere Zukunft hinausschauen; der Herr, der in seiner Gnade uns bisher geleitet, er wird der Hüter und Schirmer Israels sein für und für. Blicken wir empor zu der flammenden Sinaihöhe, deren Wiederschein in dem Glanze des Wochenfestes sich abgespiegelt! erfüllen wir uns mit dem Lichte, das dort für die ganze Menschheit ist aufgegangen und mit dem unser Haupt zuerst gekrönt und umleuchtet war, denn wenn wir aus unserm Bewußtsein diese eine Erinnerung hinweglöschen und wenn wir aus dem Buche unserer Geschichte dieses denkwürdige Blatt herausreißen, darauf die Grundzüge der Religion aller Menschen verzeichnet sind, dann ist erloschen die adelnde Weihe, die dem Namen Israels Ruhm und Ansehen verleiht in den Augen aller Völker, dann sind gestürzt die Pfeiler, auf denen der Bau sittlicher Weltordnung ruht. Halten wir aufrecht die Sinailehre als das unzerstörbare Denkmal der göttlichen Gnade in unserer Glaubensgemeinde! dann heiligen wir den Namen unseres Gottes, dann adeln und erheben wir uns selber, dann werden wir den Haß entwaffnen und die Völker werden uns Zuströmen in Liebe und wie Gott heilig ist wird alle Welt ihn preisen und verherrlichen in Liebe und Heiligkeit. Zur Geschichte der Wtutöeschul'digungen gegen die Juden im Wtttel'atter und in der Weuzeil (1171—1882). Nach den Quellen dargestellt von vr M. H. Friedländer. VIII. Zi» neunzehnten Zahrhundert. In Warschau hatte im Jahre 1830 eine arme Jüdin bei der Säuberung vor den jüdischen Ostern unter anderm Hausrat auch einen Kasten in den. Hof gestellt. Einige Christenknaben hatten einen Spielgenossen in den Kasten gelockt, den Deckel darüber gestülpt und waren davon gelaufen. Bei dem Geschrei des Knaben war seine Mutter herbeigeeilt, uin ihn zu befreien und daraus entspann sich ein Märchen: Die Juden hätten das Kind zum Opfer für ihre Ostern ausersehen. (Gr. Gesch. 11. B. S. 464.) In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts lebte in Nagy Kallo in Ungarn der 113 Jahre alte Jude Fisch. Obgleich er mit einer sehr zahlreichen Familie gesegnet war — er hatte 150 Enkel — adoptierte er dennoch einen 12jährigen Bauernknaben. Der kleine Jani, so erzählt die „Neuzeit" dem „Budapests Hirlap" nach, hütete die Gänse auf der Tanya. Eines Tages verschwand der Kleine, als ob die Erde ihn verschlungen hätte. Man suchte ihn in Wald und Feld, konnte aber keine Spur von ihm entdecken. Da traf sich ein Weib, das den Verdacht aussprach, daß der Knabe vom alten Fisch zu den jüdischen Ostern als Opfer geschlachtet worden sei. Das Gerücht verbreitete sich immer mehr und kam auch dem Comitats-Stuhlrichter zu Ohren. Der alte Fisch ward in den Kerker geschleppt und das Commitats-Gericht trat zusammen, um den alten Juden zu richten, „der Christenblut vergossen". Es fanden sich