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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-07-01 · Heft 7 (1.7.1883) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 7 (1.7.1883)
Date
1883-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 ist, wenn der Glaube der Wahrheit aus unserer Mitte entschwunden ist, wenn die Religion nur noch dem Namen nnd der Form nach in unserer Mitte fortlebt und sie uns nur dazu dient, die innere Lehrheit zu verbergen und uns nach außen hin den Anschein zu geben, als ob wir vor der übrigen Menschheit noch etwas voraus hätten, dann wird Israels Sturz und Untergang in keiner Weise mehr verhütet werden können. Ist der Grund zerstört, dann fällt auch das Haus zusammen, ist die Wurzel tot, dann wird auch der Baum bald verdorrt sein. Mit dem Geiste des Göttlichen müssen wir uns wieder beseelen uud Menschen müssen wir werden, die des Daseins würdig sind, indem wir der höheren Bestimmung unseres Lebens eingedenk bleiben, mit Ernst sie erfassen und in Treue ihr nachleben. Es kann nicht so bleiben, daß in Israel alles Streben nur auf den Erwerb irdischer Güter gerichtet ist, daß der irdische Lebensgenus das ganze Menschenglück, die irdische Machtfülle die ganze Menschenehre ausmacht, es muß damit anders werden, wenn wir nicht einen Kampf gegen uns entfesseln wollen, der unseren Bestand zu vernichten droht und uns wiederum in den Druck zurttckwirft, den wir längst abgeworfen haben. Auch in dem Streben nach unserem Seelenheile, auch mit der Veredlung unseres Herzens und Geistes, mit dem Verlangen nach Gottinnigkeit, das in jedem unverdorbenen Menschenherzen lebt, muß es uns Ernst sein. Ich will geheiligt sein, spricht der Herr, unter den Kindern Israels, und wir hätten keinen Anspuch auf die Achtung der Menschheit, kein Recht des besonderen Bestandes, wenn wir diesen unseren Beruf verwerfen und verläugnen und uicht den Völkern mit dem Beispiele der Gottergebenheit und Menschenwürde, der Geisteshoheit und Seelengröße voranleuchten würden. Und sollte das wirklich für nns eine so schwere Aufgabe sein? Ist Israel nicht schon vor Jahrtausenden, als noch Finsternis die Völkerwelt bedeckte, das Licht der ewigen Wahrheit aufgegangeu, das die Geister erhellt und in den Herzen den Morgen einer höheren'Anschauung weckt? Durch das Wolkendunkel, das einst um dies« Zeit das Haupt des Sinai umhüllte, brach ein Lichtstrahl hindurch, dessen Glanz erhellend über den ganzen Erdenkreis dahinfloß, verscheuchend die Nacht der Geistesfinsternis, die die Gefilde der Menschheit bedeckte, weckend die schlummernden Kräfte des höheren Lebens. Verhallt sind die Donnerstimmen, vor deren gewaltigem Rufe die Tempel des Wahnes, die Burgen des Frevels erzitterten, erloschen die Blitzesgluten, die den Abgrund einer verfallenen Menschenwelt schauerlich erleuchteten, doch das Licht, das da in glanzvoller Herrlichkeit, in lieblicher Klarheit und Milde ist aufgestrahlt, das ist geblieben, das hat seinen Weg durch die Welt genommen, das hat als ein glänzender Stern uns durch Nacht und Finsternis geleitet, das hat Ströme himmlischer Erleuchtung über die trüben Gänge unserer Geschichte ergossen. Ja, was ist die Geschichte Israels denn anderes, als ein Zeugnis der wunderbaren Gnade des Herrn, der ewigen Weisheit Gottes? Israel ist das Volk, das durch die Hand Gottes erlöst, das durch die Lehre Gottes geheiligt ward. Nicht durch menschliche Macht und Hilfe, sondern nur durch den gütigen Willen und Beistand des Allmächtigen sind wir erhalten worden und uns steht es wahrlich am Allerwenigsten zu, die Gottlosigkeit anzupreisen und nur dem niederen Erdensinne zu fröhnen. Seien wir weise, besonnen, bescheiden, rechtschaffen, edel, wahrhaft, wie es vor Gott und vor Menschen gefällt, folgen wir der Lehre Gottes, dem Lichte der Religion, bannen wir den Trug und den Frevel aus unserer Mitte, machen wir es uns zur ernsten Lebensaufgabe, Gott zu dienen in des Herzens Reinheit und Hingebung, der

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