Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1883)
- Date
- 1883-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 auch der Ruf unseres Gottes, das Wort unserer Lehre, das da lautet: entweiht meinen heiligen Namen nicht, und ich will geheiligt sein inmitten der Kinder Israels. Ich, der Ewige, bin es, der euch heiligt. Und wir wollen es nicht verkennen, was diese Mahnung in der Gegenwart für uns zu bedeuten hat. Zuerst wird hier von uns gefordert, daß wir den geheiligten Namen unseres Gottes nicht entweihen und herabwürdigen. Dem, der in den Gesetzen unserer Lehre immer nur etwas Bestimmtes und Faßbares finden will, das er sofort, ohne daß er erst viel darüber Nachdenken muß, in sichtlichen Handlungen darstellen kann, wird diese Mahnung wiederum inhaltlos und nichtssagend erscheinen. Sie läßt ja auch in der That vielerlei Auslegungen zu und kann von jederinann anders verstanden, anders anfgefaßt werden. Die gemeine Gotteslästerung ist eine Entweihung des göttlichen Namens, der Schwur zur Lüge ist es nicht ininder und am Ende wird ja durch jede Verletzung der Religion, in der uns der Wille Gottes verkündet wird, auch der Name Gottes beleidigt und herabgewürdigt. Diese Mahnung ist auch, wie immer man sie in Bezug auf ihre Anwendbarkeit verstehen will, jedenfalls von einem so reichen Inhalte und von einer so umfassenden Bedeutung, daß derjenige, der auf sie achten will, sie stets vor Augen haben muß. Es geht nicht an, sie auf Einzelnheiten beschränken und in ihr nur Andeutungen auf bestimmte Fälle finden zu wollen, sie enthält eine allgemeine sittliche Lehre, die ganz in's Herz gefaßt werden und, wo sie nur irgendwo in Anwendung koinmen kann, für uns geltend und maßgebend sein muß. Als solche ist sie für uns so vielsagend, so inhaltsvoll, daß wir in unserem Thun und Sinnen inimer auf sie zurückkommen, in ihr eine der wichtigsten Grundlehren unserer Religion erkennen müssen. Ihr sollt meinen heiligen Namen nicht entweihen. Was will das anders sagen, als wir sollen durch Wort und Werk, durch Rede und That nie dazu Anlaß geben, daß die Ehrfurcht vor Gott verletzt und das Erhabenste in das Gemeine und Niedrige hinabgezogen werde? Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr zu Israel, Euer Beruf ist es, vor aller Menschheit davon Zeugnis zu geben, daß der Glaube an den Einen Gott kein leerer Wahn ist, und an eurem Thun und Streben soll es erkannt werden, daß es euch mit der Religion ernst ist, daß sie euch mit den edelsten Gesinnungen beseelt, euch zu den besten Thaten befähigt. Wenn aber gerade in Israel, dessen Lehre das Licht der Welt, das Heil der Menschheit geworden, und von dessen Zukunft man nicht minder Großes als von seiner Vergangenheit erwartet, dem Gottesglauben Herz und Geist verschlossen, die Religion der Willkühr und dem Eigendünkel unterworfen, das Hohe und Edle, das über den Gesichtskreis des falschen Ehrgeizes und der niederrn Habsucht hinausreicht, für nichts geachtet und als ein Thörichtes angesehen wird, und es unverkennbar wird, daß in Israel die List mehr als die Weishet, die Lüge mehr als die Wahrheit, die Gemeinheit mehr als der Edelsinn gilt und daß da Alles nur nach dem äußeren Erfolge abgeschätzt wird, wird da nicht durch uns der geheiligte Name Gottes vor den Augen der Völker entweiht? Die Ehre Gottes, die werden wir wahrlich nicht schmälern können, denn wenn wir sie nicht schützen, dann wird es die übrige Menschheit thun, aber unsere eigene Ehre untergraben wir damit, und wenn wir die einmal verloren haben, dann wird uns alle Macht, die wir erworben, nicht vor Unheil und Verderben zu schützen vermögen. Entweiht nicht meinen heiligen Namen wird daher in unserer Lehre mahnend uns zugerufen. Ich, sagt der Herr, will geheiligt sein inmitten der Gemeinde Israels. Wahrlich, wenn der Gottessinn in unseren Herzen erloschen 14*