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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 141

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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141 Und der heilige Geist? Ruach hakodrsch ist eine oft für Gott vorkommende Bezeichnung altjüdischer Quellen, die schon in der Schöpfungsgeschichte anklingt: „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." — Der Prophet Ezechiel schildert in seiner vierten Strafrede — Kap. 8, V. 14 — götzendienerische Weiber, die am Tempelthore den Thammus beweinen. Thammus ist der phönizische Adonis, der Sonnengott, der stirbt, beklagt wird und wiederanfersteht. Es ist derselbe Mythus, wie er im altgermanischen Julfeste sich darstellt: die Trauer um die untergegangene Sonne, und dann die Freude über deren Wiederauferstehung. In Byblos und Alexandrien ward das Bild des Gottes in einem prächtigen Katafalk umhergetragen und unter Klagegesängen ins Meer versenkt. Am folgenden Tage — so erzählt Sudan — sagen sie, er sei wieder lebendig geworden und schicken ihn gen Himmel. So ist der christliche Auferstehungsgedanke schon in alten semitischen Sagen vorhanden. - Und wer wollte heutzutage behaupten, daß alle Bekenner des Christentums, alle Katholiken, alle Protestanten in ihrer Anschauung von Gott und ihrer Auffassung von Christus ttbereinstimmen? Ebensowenig haben alle Bekenner des Judentums die gleiche Gottesanschauung. Auch hier vom kindlichsten Wahne, von der anthropomorphistischen Versinnlichung, bis zu der geläutertsten Auffassung, eine unendliche Verschiedenheit! Wie Einer ist, so ist sein Gott, Drum ward auch Gott so oft zum Spott. Die Bibel erzählt sinnig, der Mensch sei ini Ebenbilde Gottes geschaffen. Man kann aber auch sagen: Gott werde von den Menschen in ihrem Ebenbilde, nach ihrer Herzens- und Geistesbildung gedacht und angeschaut. Dem rohen Menschen erscheint sein Gott roh, dem Bösen bös, gewaltthätig, dem Abergläubischen, Feigen, Schwachen, kleinlich, empfindlich, nachträglich; dem Bestechlichen bestechlich; dem Zornigen und Unversöhnlichen rachsüchtig — dem Edlen edel. — Göthe's herrliches Wort gilt gleichmäßig für Juden und Christen: Mer darf ihn nennen Und wer bekennen Ich glaub ihn! Wer empfinden, Und sich unterwinden Zu sagen, ich glaub' ihn nicht. Der Allumfasser Der Allerhalter Faßt und erhält er nicht Dich, mich, sich selbst? Wölbt sich der Himniel nicht da droben Liegt die Erde nicht hierunter fest? Und steigen freundlich blickend Ewige Sterne nicht herauf? Dieselbe Auffassung findet sich in uralten jüdischen Quellen: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und seiner Hände Werk kündet das Weltall." Und wenn Lessing preist: „Der Wunder höchstes ist, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können, werden sollen" — finden wir in dieser - den Edlen, Gebildeten unter Christen wie Juden ganz geläufigen Auffassung nicht genau dasselbe wieder, was in dem altjüdischen täglichen Achtzehngebete

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