Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1883)
- Date
- 1883-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Tiere, alles Viehes, das in der Arche war und er führte einen Wind über die Erde hinweg und das Wasser nahm ab." (1. M. 8, 3.) „Ich werde den Regen geben zur Zeit — spricht Gott — daß du einsammelst dein Getreide, deinen Most und dein Öhl. Ich werde auch Futterkräuter deinem Vieh geben und auch du wirst essen und>.satt werden." (5. M. 11, 15.) „Der Mensch soll zuvor das Haustier mit der nötigen Nahrung versorgen, bevor er sich zur Mahlzeit setzt." (Gittin 62a.) Die Ruhe nach der Arbeit ist notwendig. Der Körper fordert Erholung, um von Neuem Kräfte zu sammeln. Das weiß der Mensch und muß auch, dem Tiere die nötige Erholung gönnen. „Sechs Tage kannst du arbeiten und am siebenten Tage mußt du ruhen, damit auch ausruhen kann dein Ochs, dein Esel und sich erholen der Sohn deiner Magd und der Fremdling." (2. M. 23, 12.) Der Körper verfügt über ein bestimmtes Maß von Kräften. Jeder Überschuß an Kraftaufwand schädigt das Dasein und zerstört das Leben. Ein solcher Überschuß läßt sich nicht ersetzen. „Lasse niemals Ochs und Esel an einem Pfluge ziehen." <5. M. 22, 10.) „Verbinde auch nicht dem Ochsen den Mund wenn er drischt", (das. 25, 4.) damit er immer wie du sich stärke und kräftige. Aber nicht blos das Tier, sondern überhaupt jedes Wesen, das fühlt oder irgend einen Wert hat, muß der Mensch schonen und schätzen, da er mit der Gesammtheit eng verwachsen ist und nur zu edlen und besten Zwecken alles verwenden darf. „Wenn du eine Stadt belagerst, sollst nicht ihr Gehölz zerstören, indem du mit der Axt darüber hinwegziehst. Der Baum des Feldes gehört der Menschheit und darf nicht bei der Belagerung verwendet werden." (5. M. 20, 19.) „Immerhin muß der Nutzen, der aus der Zerstörung erwächst, dem zerstörten Gegenstände wenigstens gleich kommen." lSifte Kohen I. D. 28. Scholiv 29 u. a. O.) „Groß bist du Herr und thuest Wunder. Du bist Echod. Herr lehre mich deine Wege und ich will wandeln den Weg der Wahrheit. Du bist der Gott der Güte, bist gnädig, langmütig, voll der Milde und Wahrheit." (Psalm 86, 10. 11. 15.) 4. Nächstenliebe. „Das ist das Buch von der Entstehung des Menschen; da Gott den Menschen schuf bildete er ihn im Ebenbilde Gottes." (1. M. 5, 1.) Das ist der Grundsatz der Erkenntnis." (Midr. Rabba 1. M. 24.) „Gott hat nur ein Menschenpaar geschaffen, um der Einheit, um des Friedens willen, damit nicht der eine sage, mein Stammvater war vorzüglicher, von höherem Stande, von Adel, von edlerem Stoffe als der deine." (Sanhedrin 4, 5.) Während die anderen Geschöpfe in einer unabsehbaren Kette von Ordnungen in der Einheit aufgehen, steht der Mensch ihnen als die Einheit gegenüber, in der sie aufgehen. Der Mensch ist die kleine Welt in der großen Welt, das höchste Wesen der Schöpfung, das durch die geistige Befähigung alles überragt, was sich regt und bewegt, was aus der Erde zu höher» Formen emporstrebt. „Wer einen Menschen hätte retten können und dies unterließ, hat das Gebot übertreten: stehe nicht beim Blute deines Nächsten. (3. M. 19, 16.) Er ließ eine Welt zu Grunde gehen, die er zu erhalten verpflichtet war." (Sanhedrin 73a. Maimonides H. Rozeach 1, 14 ff.) Sind die Anlagen und Fähigkeiten des Menschen nicht eine Welt, die tief verborgen schlummert? Wer da versteht diese Welt aus dem Wesen herauszutragen, hat eine Welt befreit, und im Reiche der Schöpfung eine schöne Saite zur Weltharmonie gestimmt, die das große Ganze höher emporträgt und erhebt. Der wahrhaft gebildete Mensch ist eine Einheit, eine Welt in der