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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 135

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 135 (sequence 15)
Language
German
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135 Welt und füllt aus seine Welt, die er mit der Geburt durch seine Anlagen und Fähigkeiten empfängt. „Nicht der Platz ist es, der den Menschen ehrt, sondern der Mensch bringt den Platz zu Ehren, wenn er ihn ausfüllt", (Tanith 21b) indem er seinen Geist aus sich hinanstrügt und in einer Gedankenwelt sammelt. Diese ideale Größe innerer Vollendung ist zwar unerreichbar. Diese innere Schatzkammer des einzelnen Menschenherzen ist zu unerschöpflich, und nicht alles Fühlen, nicht alle leisen Regungen lassen sich vergeistigen und in Gedanken umwandeln. „Diesen Gedankenbau aufzurichten ist dir nicht gegeben, deshalb mußt du rastlos arbeiten, um alle Schwächen zu heben." (Aboth 2, 16.) „Die Edlen kommen daher in der Welt nicht zu Ruhe." (Berachoth 64a.) Sie wollen von Stufe zu Stufe empor sich ringen und der idealen Vollendung sich nähern. Mit dem Triebe ist dem Menschen das Ziel gegeben und in der Erkenntnis der in ihm aufgehäuften Wahrheiten findet er den Weg zu jenen: Ziele hin. Diese Wahrheit ist ein Teil der ewigen Wahrheit, sie ist der Ausfluß der schöpferischen Allmacht, der göttlichen Weisheit, sie ist die gemeinsame Quelle allen Dichtens und Trachtens des Menschen, eine Eigenschaft des allgemeinen Ideals, nach dem jeder Mensch zu streben hat, in dem der Mensch sich verliert. „Mache Gottes Willen zu deinem Willen", (Aboth 2. 4.) das fordert der Schöpfer von dir. In dieser schönen Erkenntnis leben die Geister alle vereint. Das ist der gemeinsame Knoten, der aller Menschen Herzen vereinigt, sie alle verschwistert. Mit diesem Bewußtsein erwacht das Gefühl der Nächstenliebe, die die Gesellschaft erhält, Staaten aufbaut. Da quillt die Hingebung zum Menschen aus dem vollen Herzen; die Gefühle rinnen in einander und im gemeinsamen Ziele wächst die Kraft und im Wetteifer wird sie groß. Diese Quelle versiegt nicht. „Das ist die Liebe des David zu Jonathan", die wahre Liebe und die wahre Treue. Sie kennt keinen Unterschied. Das Herz zieht uns mächtig hin zu einander. „Verachte den Edomiter nicht, denn er ist dein Bruder", (5. M. 23, 8.) „und liebe den Fremdling, denn ein Fremdling warst du im Lande Egypten und Gott liebt die Fremden und giebt ihnen Brod und Kleider." (5. M. 10, 18. 19.) „Haben wir doch alle einen Vater, und ein Gott hat uns geschaffen; warum sollen wir Brüder treulos handeln." (Maliachi 2, 10.) (Forts, f.) Die Aufgaben der Deutschen jüdischer KerKunft. Ein Vortrag von Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. Dem aufmerksamen Beobachter unserer Zeit wird es nicht entgehen, daß die Abneigung gegen Juden und Judentum in den letzten Jahren sich besorgniserregend gesteigert hat. Davon geben die Presse, das tägliche Gespräch, Vereine und Versammlungen, geben Reibungen und Feindseligkeiten selbst in den neutralsten, der Erziehung und Wissenschaft geweihten Stätten traurige Kunde. Über die Ursachen und letzten Beweggründe dieser Misstimmung, die sich den sprachwidrigen und ungeschichtlichen Namen Antisemitismus giebt, ist schon viel geredet und geschrieben worden. Vom Standpunkte Derer, die darunter leiden, wie von dem einer unparteiischen geschichtlichen Kritik ist sie tief zu beklagen.

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