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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 IX. 1. Das GefUhl ist heilig. „Erst wenn ihr auf meine Stimme höret und meinem Bündnisse treu bleibt, seid ihr das Ideal der Völker; denn mir gehört die ganze Erde. Aber ihr müßt sein ein Reich von Priestern, eine heilige Nation." (2. M. 19, 5. 6.) „Ich bin es, der euch das Gesetz und das Recht lehrt. Und dies ist eure Weisheit und eure Vernunft den andern Völkern gegenüber. Und sagen werden die anderen Völker: Das ist ein wahrhaft weises und vernünftiges Volk. Denn wo gibt es eine große Nation, die solche gerechte Gesetze und Verordnungen hat, wie die Lehre enthält, die ich euch heute vorlege." (5. M. 4b, 6. 8.) Das gemeinsame Gefühl ist es, das um alle Menschen die Bande zieht und sie alle umschlingt und zu Körperschaften vereinigt. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Brüderlichkeit ist ein heiliges, cs ist das schönste, das die lebenden Wesen der Erde unter sich zu einem großen Ganzen verschwistert, daß alle Kräfte einträchtig in einander greifen, so daß der Einzelne das Wohl der Gesammtheit, die Gesammtheit das Wohl des Einzelnen fördert, daß der Eine dem Andern dient, ohne in seiner Freiheit sich verkürzt zu sehen. Da tritt zu einer Einheit alles zusammen und wirkt und schafft für die Einheit. Da zeigt sich der göttliche Gedanke im großen Ganzen, er wirkt und schafft, trennt und verbindet, tötet und belebt, wechselt die Form und bildet sie immer wieder um. In dieser Welt des ewigen Wechsels ist der Mensch, das Ebenbild Gottes, der Träger dieses Gefühles. Nur er kann mit Hiilfe seiner Denkkraft den Pulsschlag seines Herzens berechnen, den Wert seines Gefühles, dieser göttlichen Stimme in seinem Innern erkennen, das heilige Gesetz jener leisen Regungen studieren. In jedem Herzen lebt diese Wahrheit und jeder Mund spricht sie aus: „Höre Israel, der Herr, dein Gott ist Echod, sowie alles im göttlichen Gefühle sich zu eins sich gestaltet, so würde im Herzen des Menschen alles zur Einheit." (Pessachim 56a.) Das ist die wahre Lehre, die das Leben frei macht, den Willen erlöst und mit dem Willen der Gesammtheit inniglich verleibt. Alles ist Einheit und ein Gefühl durchzieht das Ganze und jedes einzelne Gefühl flüstert dem andern zu: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, voll ist das All von seiner Herrlichkeit." (Zes. 6, 3.) „König ist der Herr, in Majestät gekleidet, gekleidet ist der Herr mit Macht, er ist gerüstet. Fest steht die Welt und wanket nicht, fest ist dein Thron von jeher, von Ewigkeit bist du. Die Ströme erheben ihre Stimme, die Ströme erheben ihr Getöse. Heftiger als die Stimmen vieler und mächtiger Gewässer tost und tobt das Meer. Aber mächtiger noch in den Höhen ist Gott. Deine Zeugnisse sind wahr und lauter. In deinem Hause wohnt Heiligkeit, Gott für die Ewigkeit." (Psalm 93.) 2. Der Reinlichkeitssinn. „Rabbi Huna fragte seinen Sohn Rabba: Warum gehst du nicht fleißig zu Rabbi Chisda? Rabba meinte, weil dieser ihm nur Lebensvorschriften gebe und sich nur mit weltlichen Dingen beschäftige. „Was das Leben betrifft nennst du weltliche Dinge", erwiderte der Vater. Gerade deshalb sollst du ihn öfter besuchen." (Sabbatt 82a.) Der Körper des Menschen ist der Erde entnommen und hat diesen Teil gemein mit allen Geschöpfen. Der Geist hingegen trägt ihn weit hinaus aus diesen Reihen von Wesen, mit denen sein Körper so innig verwachsen. „Er ist der Bewohner körperlicher Hülle, deren Urstoff Staub nur ist. Vom Morgen bis zum Abend ist sie aufgerieben und ohne Überlegung

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