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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 131

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 erhabenen Form des religiösen Gedankens erheben, und so die Inötigen Elemente für die Vollendung jener Universalreligion liefern wird, welche das Ideal aller devoten, emporstrebenden Geister bildet? Sollen wir etwa glauben, daß all dieses Leiden und Ausharren vergebens waren und daß das merkwürdige Geschick, unter dessen ewigem Wechsel ihre erhabene Hoffnug genährt und ihr eifriger Glaube erhalten wurde, nichts bedeute, oder daß die Leiden, die sie erduldet, sie nicht sozusagen in den geistigen Sauerteig eines künftigen Zeitalters geknetet haben? Ist es nicht möglich, daß, während die westlichen Racen, die hauptsächlich mit beit Begriffen der Vernunft ausgestattet sind, sozusagen daß männliche Elemente des religiösen Gedankens bilden, es den Juden, der begabtesten aller asiatischen Racen, Vorbehalten blieb, das anschauliche oder weibliche Element zu bilden, welches zur Vollendung der höchsten und reinsten moralischen Empfindung notwendig ist? Es wäre gewiß eine ebenso edle Ambition für den orthodoxen Juden, die Entwickelung einer Religion anzustreben, die dem unbefriedigten Verlangeu des Christentums entgegenkäme, wie fiir den orthodoxen Christen weiter die Hoffnung zu nähren, daß die Wiedereinsetzung der jüdischen Race in Palästina zu einer religiösen Amalgamatiou führen wird. So stehen denn zu Ende des 19. Jahrhunderts drei große religiöse Mächte der Welt einander gegenüber, zwei davon bewaffnet nnd ausgerüstet zum Kampfe und entschlossen, die Richtigkeit ihrer Ansichten über den moralischen und materiellen Fortschritt mit dem Schwerte zu zeigen, die dritte, scheinbar schwach, zerstreut und von den beiden anderen verachtet, jedoch bereit, sobald der Kampf der beiden rivalisirendeu Religionen zu Ende gekämpft sein wird, aus deren Ruinen mit neugefundener Kraft zu erstehen und der Welt den Beweis zu liefern, daß die endliche Lösung der „orientalischen Frage," ebenso wie sie den Untergang des Islam in sich schließt, die zukünftige Bestimmung des Judentums offenbart. Hrundgedanke der ßrölW-lakmudischen von Oskar Waldeck. VIII. Die Milde und Bescheidenheit. Das ist die wahre Erkenntnis, die stimmt ruhig und erhaben das Gemüt, die trägt das Leben hinaus in die ideale Welt, in das Reich wo unsre schönen Geister leben, denken und dichten und trachten. „Diese Lehre ist ein Baum des Lebens für den, der sie festhält und glücklich sind, die sie erfaßt haben." „Glücklich sind die Jünger Avrahams, denn sie sind sanft und bescheiden". (Aboth 5, 19.) Sie werden von dieser göttlichen Lehre geleitet und getragen von der ewigen Wahrheit: „Ich bin nur Staub und Asche". (1. M. 18, 17.) So waren alle unsere Vorbilder von diesem göttlichen Gedanken durchdrungen. „Sanftmütig war Mosis mehr als irgend ein Mensch auf Erden." (4. M. 12, 3.) „Und jeder sei so wie Hillel, sanft und milde war er." (Sabbat 31a.) „Nur das wahre Wissen ruft wach die Ehrfurcht in dem Herzen der Menschen, deshalb halten sich Weisheit, Gottesfurcht und Demut das Gleichgewicht." (Maim. Derech.-Erez VIII.)

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