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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 130

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 sagen, daß der Mohamedanismus seine Arbeit vollbracht hat. Er widersteht nicht nur dem materiellen Fortschritt, was wol nicht zu verwundern ist, wenn man die Bedingungen ins Auge fast, unter denen er den moslemitischen Ländern aufgezwungen wurde, aber er ist auch absolut unfähig, sich mit den höheren moralischen Aspirationen der Zeit zu identificieren. Es ist kaum zu hoffen, daß ein System, das jeden Versuch einer Reformation, sei es auf welchem Gebiet immer, zurückweist, das Mittel sein soll zur Entwickelung einer höheren und reineren Civilisation, als die im Christentum vorherrschende. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Mohamedanismus einen großen moralischen Wert für jene wilden und barbarischen Regionen gehabt hat, wo er seinen Einfluß geltend gemacht hat. Da er aber durch die immer leichter werdende Communication nicht mehr allein im Contakt mit jenen Ländern steht, so scheint die Zeit gekommen, wo er anderen Einflüssen wird weichen müssen. Es hat den Anschein, als ob der Islam, fühlend, daß sein Schicksal nahe bevorsteht, instinctivisch seine Kräfte zu einem Todeskampfe sammeln wollte, während das Judentum schon mit den raschen Schlägen eines neuen Lebens pulsirt. Nachdem es eine 2000-jährige Schule des Leidens durchgemacht hat, sind die Ereignisse solche, daß sich Europa gezwungen sieht, in dieser Race eine Macht zu erkennen, die nicht zu bekämpfen sein wird, wenn sie noch länger zwischen den Nationen zerstreut bleibt. Schon jetzt taucht die Alternative auf: entweder die Racenunterschiede durch Mischheiraten zu verwischen, wie es in Ländern geschieht, die zu civilisirt sind, um dies durch Massacrirung zu erreichen, oder die Juden als eine neue Nationalität von den übrigen Völkern zu trennen. Diejenigen die sich am innigsten an die Hoffnung und den Glauben ihrer Väter klammern, werden dieses Schicksal, das ihnen aufgezwungen wird, nicht ungern erfüllen. Sie werden, im Gegenteil, befreit von der Verachtung und Verborgenheit, zu der sie so lange verurteilt waren, sich versammeln, angetrieben durch neue Aspirationen und durch das Bewußtsein, daß sie durch ihre glückliche Conkurrenz in Erlangung der höchsten Würden den Beweis geliefert haben, daß sie die moralische und geistige Befähigung besitzen, ihren Platz unter den fortgeschrittensten Nationen der Welt einzunehmen, wenn ihnen die Gelegenheit geboten werden wird, eine nationale Existenz zu gründen. Es ist ihnen vielleicht Vorbehalten, durch vereintes nationales Streben die materiellen Quellen und mechanischen Erfindungen des Jahrhunderts unter günstigeren Bedingungen, als die Völker, unter denen sie lebten, auszunützen, Als Beweise dafür können die Triumphe gelten, die sie in der Kunst der Literatur, den Finanzen und selbst in der Staatskunst gefeiert haben. Kein Volk ist geeigneter die Erfahrungen, die es im Kampfe um seine Existenz unter den verschiedensten Formen der Civilisation so bitter erkämpft hat, besser zu verwerten, als das jüdische, denn keines hat ein schnelleres Fassungsvermögen und keines ist gewandter in der Anwendung derselben. Wer vermag zu sagen, ob jene Elemente, von denen Europa gesteht, daß sie zu stark sind, um bekämpft zu werden, und welche die Veranlassung zu den Verfolgungen in Rußland und zu den Judenhetzen in Deutschland waren, sich nicht zu einer reineren und höheren Civilisation entfalten werden, wenn ihnen freie Bewegung gestattet sein wird; ob jener starke religiöse Sinn, der einen 2000-jährigen Antagonismus überlebt hat imb noch jetzt den Versuchungen dieses Jahrhunderts des Scepticismus widersteht, indem er eine Rückkehr in jene uncivilisiren Regionen des Ostens der Hoffnung auf materielle Vorteile im Westen vorzieht; wer vermag zu sagen, ob sich dieser Sinn nicht zu einer neuen und

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