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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 Früher oder später wird sich die öffentliche Meinung in diesen Ländern auf irgend eine Weise äußern. Ällmälig beginnt in den weniger toleranten Ländern v Europas die Überzeugung Raum zu gewinnen, daß ein Volk, welches trotz seiner ' patriotischen Gesinnung darauf hesteht, seine Racenmerkiuale in socialer Beziehung beizubehalten, zu zäh für politische Verdauung ist, und dies umso mehr, je begabter dasselbe ist. Selbst in unseren! Lande fehlt es nicht an Schriftstellern der vorgeschrittenen liberalen Schule, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Empfindung in jedem Lande mehr oder weniger vorhanden ist, und daß diese Frage in Erwägung gezogen werden muß, nachdem der financielle Einfluß und die Combinationsgäbe der Juden immer mehr zunimmt. Mittlerweile ist die Frage in Rußland acut geworden, und die einzig mögliche Lösung, die Entfernung der jüdischen Nation nach Regionen, wo sie mehr oder weniger separirt leben können, wird im Interesse der russischen sowol als der jüdischen Humanität angenommen werden müssen. In Mesopotamien, im Norden von Syrien, und in einigen südlichen Provinzen Kleinasiens gibt es immense fruchtbare und unbe wohnte Landstriche, welche die ganze jüdische Bevölkerung Rußlands zu ernähren im Stande sind. In Folge einer kürzlich auf sie ausgeübten Pression hat sich die Pforte mündlich bereit erklärt, einem vor 17 Jahren erlassenen Gesetz gemäß, daß die Regelung dieses Gegenstandes im Allgemeinen zur Aufgabe hat, einige dieser Provinze» der jüdischen Colonisation einzuräumen. Vor drei Jahren habe ich der Pforte bezüglich eines fruchtbaren, unbewohnten Landstriches östlich vom Jordan, ein reelles Projekt vorgelegt; durch die Annahme desselben wäre dem kaiserlichen Schatz wahrscheinlich ein bedeutender materieller Vorteil erwachsen. Wenn ich jedoch die laufenden Ereignisse betrachte, welche die orientalische Frage unter so folgenschweren Umständen wieder eröffnen können, so preise ich mich glücklich, der Verantwortung enthoben zu sein, die der Ausgang nach sich gezogen hätte, und ich muß den Aufschub, der mein damaliges Fehlschlagen verschuldet hat, als vom Schicksal bestimmt, betrachten. Es ist eine beinerkenswerte Thatsache, daß während Jndifferentismus, Materialismus und andere Phasen des Scepticismus die alten Glaubensformen des Christentums untergraben, bei den Moslini und den Juden des Ostens der Glaube nie inniger war, und das religiöse Gefühl sich nie thätiger gezeigt hat, als gerade jetzt. In dem ersteren Falle, können wir dies an dein Jehad oder heiligen Krieg, der dadurch angefacht wurde, beobachten, in dem letzteren an dem nationalen Exodus aus dein Christentum nach dem Islam. So befindet sich das Christentum zwischen zwei monoteistischen Raceil Asiens, die sich beide gegen dasselbe wenden. Mit der einen gerät es in Conflict, weil sie sich weigert, die westliche Civilisativn anzunehmen, und mit der andern, weil die westliche Civilisation sich weigert, sie aufzunehmen. Wie der Moslim lieber stirbt, als daß er sich vom Christen verdrängen läßt, so begeht der Christ einen Mord an dem Juden, um sich nicht von ihm ausbeuten zu lassen, und dies ist die beste Illustration für die raubsüchtigen und unheiligen Instinkte dieser Civilisation. Einige der erleuchtetesten Propheten derselben haben einen literarischen Kreuzzug gegen die Juden in unserem Lande unternommen. Es ist vielleicht weniger zu verwundern, daß die Christen die Mohamedaner bekämpfen, weil diese in der Civilisation nicht weit genug vorgeschritten sind, als daß sie sich gegen die Juden wenden, weil diese es zu sehr sind. Was den moralischen Fortschritt der Welt anbelangt, so kann man

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