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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-06-01 · Heft 6 (1.6.1883) · p. Seite 125

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 6 (1.6.1883)
Date
1883-06-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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125 während die materiellen Vorteile, welche ihnen unter mohamedanischer Herrschaft winken, zum mindesten zweifelhaft sind. Diese Ansicht entspricht aber nicht den Gefühlen der Juden Rußlands und der anderen slavischen Länder Europas, die durch die Einflüsse, welche auf sie eingewirkt haben, hervorgerufen wurden. „Jedes Land hat die Juden die es verdient." Dies ist insofern richtig als die Einrichtungen und die Religion des Landes, das der Jude zu seiner Heimat gemacht hat, einen gewissen Einfluß auf seinen Charakter ausüben. So wird er in Rußland, wo ihn religiöser Aberglaube und Fanatismus umgeben, in den Vorurteilen und in der Bigotterie seiner eignen Religion noch bestärkt. In einem Lande, in dem die Freiheit unbekannt ist, bleibt er wol verhältnismäßig unwissend und servil; dafür aber ist er nicht den Gefahren ausgesetzt, die ihm von, Jndifferentismus drohen, er bewahrt sich eine Einfachheit des Charakters und des Glaubens und Bestrebungen, die mit der sogenannten Civilisation unvereinbar sind. Vom rein moralischen Standpunkte und abgesehen von seinen materiellen Interessen, wäre es meiner Überzeugung nach, eher von Nachteil für ihn, wenn er plötzlich in das Chaos des aufgeklärten Denkens und der Concurrenz, die die vorgeschrittenste Nation der Welt anszeichnen, gestürzt würde. Männer, die ihrer Religion und ihrer Nation gleich eifrig ergeben sind, welche ich im östlichen Europa kennen lernte, teilen meine Ansicht. Gerade die Erfordernisse, die eine erfolgreiche Concurrenz in sich schließt, sind unvereinbar mit der genauen Beobachtung der Normen der jüdischen Religion, die ihren Bekennern die Notwendigkeit auferlegt, in Gemeinden beisammen zu leben. Nun wäre aber die Zubereitung der koscheren Kost unmöglich, wenn kein anderes Fleisch als Schweinefleisch zu bekommen wäre, und ebenso kann an die Ausübung der Sabbatheiligung und an die Tempelaufsicht nicht gedacht werden, wenn die nächste jüdische" Gemeinde 500 Meilen entfernt ist, während die Anstellung eines Juden als Arbeiter ihn nötigt, am Samstag zu arbeiten. In Rußland, Polen und Rumänien leben ungefähr 5 Millionen Juden; daß unter diesen mindestens 3/± orthodoxe sind, ist eine Folge ihres Zusammenlebens in Gemeinden und des großen Einflusses, den die Rabbiner auf sie ausüben. Eine Emigration wird demnach nur in jene Länder wünschenswert sein, wo sie hoffen können, daß sie in Massen beisammen leben und so ihren exklusiven Charakter in religiöser und nationaler Beziehung beibehalten werden; es bekunden auch wirklich alle Klassen mit Ausnahme der reichsten eine starke Neigung für eine Colonisation in Syrien. Selbst unter den wenigen orthodoxen Juden gibt es solche, die, wenn sie auch die Bigotterie der „extremen Partei" — ich verstehe darunter die Chasidim oder Antifortschrittler — verurteilen, doch eine Emigration nach „dem Osten einer solchen nach dem Westen vorziehen. Sie sind Nämüch von der Überzeugung durchdrungen, daß die Mission der Juden in der Erhaltung der monotheischen Ideen bestehe, und daß diese unter dem zersetzenden Einfluß des westlichen Materialismus gänzlich verloren ginge. Die einzige bedeutende Macht, die dem Letztern entgegengestellt werden könne, sei nur in einer Race zu finden, deren Existenz nüt dem Namen Jehova innig verknüpft ist, deren raison ä' str« sozusagen in der Erhaltung des in diesem Namen verkörperten Princips unter allen Völkern und in allen Ländern und in dem schließlichen Triumph dieses Princips unter den Auspicien eines Messias, liege. Dieser Anschauung gemäß bilden die Juden als Race betrachtet einen Protest gegen den Materialismus, die lebendigen Zeugen eines lebendigen Gottes, und so müssen sie in ihrem

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