Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 und scharfsinnigen Geschichtsforscher oft gelingt, undatierten Urkunden das ihnen gehörende Datum zu geben, so verstand er (R. Simon) es, für die in seinen Bereich gehörenden beziehungslos überlieferten Mitteilungen die Stellen der heil. Schrift zu bezeichnen, au die sie sich anlehnen. Er ordnete das mit staunenswertem Fleiß und Scharfsinn gesammelte Material überall mit genauer Quellenangabe nach den Büchern der heil. Schrift, zu welcher sein Werk — das er Jalkut d. h. Sammlung betitelte — eine durchaus eigenartige, lehrreiche, seitdem unaufhörlich benutzte Erläuterungsschrift darbietet, abwechselnd teils Hoinilie, teils Commentar." In der That, es würde ein nicht geringer Scharfblick, eine eminente Forschungsgabe dazu gehört haben, für Schrifterklärnngen im Geschmacke des Midrasch, die sich von dem buchstäblichen Wortlaute zumeist weit entfernen und oft nur lose an denselben anknüpfen, die nicht angegebenen Stellen , auf welche sie sich beziehen, erst ausfindig zu machen, allein der ehrliche Compilator hatte es wahrlich auch gar nicht nötig, seinen Scharfsinn nach dieser Richtung so sehr anzustrengen. Bei den direkten Schriftauslegungen sind in den Talmnden und Midraschwerken, denen sie entnommen werden, die Stellen, zu deren Erläuterung sie dienen sollen, stets mit aller nur wünschenswerten Genauigkeit angegeben und wo in dieser Hinsicht hie und da eine Confusion stattgefunden hat, wie etwa gerade in den ältesten Auslegungswerken zu den pentateuchischen Büchern, da finden wir sie, soweit nicht bessere Texte als die auf uns gekommenen zur Vorlage dienten, auch im Jalkut wieder. Die obenaugeführte Behauptung des Verfassers trifft aber ebensowenig in Bezug auf jene altrabbinischen Lehrstücke zu, die wegen einzelner Schriftstellen, die in denselben als Belege erscheinen und indirect mit ihnen Zusammenhängen, nicht als eigentliche Erläuterungen derselben galten, in den Jalkut ausgenommen wurden, da gerade das Schriftwort, das der Sammler hier vorfand, ihm die alleinige Veranlassung zur Einreihung solcher Stellen in seine weit angelegte Compilation darbot. Alan braucht gerade kein Kenner des Jalkut zu sein, um dies zu wissen, eine flüchtige Durchsicht irgend einer Partie dieses Werkes reicht vollkommen aus, um sich davon zu überzeugen, daß diese Prüfung abgerissener Fragmente behufs Erforschung der Stelle, an die sie gehören, R. Simon, oder wie der Sammler des Jalkut sonst geheißen haben mag, ganz und gar ferne gelegen war. Man kann zu einer solchen aus dem Werke in keiner Weise sich ergebenden Behauptung nur gelangen, wenn man dasselbe nie gelesen hat und in die unsichere Lage versezt ist, ausiveudig über dasselbe urteilen zu müssen. Ja, hätte der Verfasser nur Znnz's gottesd. Vortr. S. 295, auf welche er S. 6, A. 1, zunächst verweist, richtig uachgelesen, so hätte er es (S. 296 das.) ganz deutlich ausgesprochen gefunden „Jalkut Schimeoni .... rückt in jede Stelle die auf dieselbe Bezug nehmenden Auslegungen älterer Werke ein." Die Stellen sind also nach Zuuz schon in den Quellen angegeben. Wir können, da der Verfasser seine Behauptung wol nicht ganz aus der Luft gegriffen hat, nur vermuten, daß er durch einen Ausdruck in Dr. Horovitz' Frankfurter Rabbinen (S. 6), auf welche Schrift er sich hier ebenfalls beruft, zu derselben verführt wurde. Er scheint die Worte: Simon Ha-Darschan u. s. w. gab jedes noch so weit verwehte Blatt der Agada . . . dem Zweige zurück, auf dem es ... ursprünglich emporgewachsen..., so verstanden zu haben, als ob jedes Blatt d. h. jede Auslegung von dem Zweige d. i. der Schriftstelle, zu der sie gehört, im Laufe der Zeit abgerissen worden wäre und der Verf. des Jalkut es fertig gebracht hatte, immer Blatt und Zweig wieder zusammenzufügen — und ein anderer Sinn kann auch in dieser