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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 115

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 115 (sequence 19)
Language
German
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115 wiederum vorgetragen werden; das läßt sich auch, obzwar daraus der Wissenschaft gerade kein Gewinn erwächst, nicht immer vermeiden. Wir besitzen bereits eine stattliche Reihe wandernder Paradecitate, die von einem Buche in das andere übergehen und bei dem minder kundigen Leser die Meinung erwecken sollen, daß der Verfasser die bezeichneten Stellen zuerst anfgefunden oder sie wenigstens nachgeschlagen, ihren Inhalt selbständig erforscht und wissenschaftlich verarbeitet hat, obzwar das nicht immer der Fall ist. In einem Buche, das mit dem Ansprüche auftritt, auch Sachkennern eine Quelle reicher Belehrung zu werden, sollten doch diejenigen, denen die Ernirung solcher Stellen znnüchst zu verdanken ist, nicht ungenannt bleiben. Der Verfasser vorliegender Schrift scheint darüber anders zu denken. So wird S. 4 A. 2 eine Reihe alter Urkunden iiber die Frankfurter Judenschlacht im Jahre 1241 und die mit derselben in Verbindung stehenden Ereignisse angeführt. Nun beruft sich der Verfasser hier zwar allerdings auf einen Gewährsmann, den bereits S. 1 genannten l>r. Horovitz, aber man erfährt kein Wort darüber, daß diese zerstreuten Angaben, einschließlich des Berichtes in den Erfurter Analen, der S. 5 A. 1 seinem Wortlaute nach angeführt wird, bereits in Grätz's Geschichte der Juden (Bd. 7 S. 120, 121) der Darstellung der damaligen Verhältnisse der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. zu Grunde gelegt sind. (Nur auf Jsak Or Sarua I, 747 konnte sich dieser Gelehrte noch nicht berufen, da dessen Werk erst 1862 veröffentlicht wurde und von ihm noch nicht benutzt werden konnte.) Wir wollen aber derartige Prioritätsfragen, die mit der Sache selbst nichts zu thun haben, unberührt lassen und nicht auf weitere Entdeckungen nach dieser Richtung hin ansgehen, können aber dennoch eines nicht unerwähnt sein lassen, das denen, die etwa auf gleichem Wege sich einen Anschein von Gelehrsamkeit auf einem Gebiete, auf dem sie nicht heimisch sind, geben wollten, zur Warnung dienen mag. Der Verfasser vorliegender Schrift will seinen Lesern auch Einiges über den Verfasser des midraschischen Sammelwerkes Jalkut, der angeblich R. Simon geheißen und in Frankfurt gelebt haben soll, was beides noch lange nicht außer Zweifel gestellt ist, mitteilen. Nachdem über dessen persönlichen Lebensverhältnisse sich keinerlei Nachrichten erhalten haben und wenn man sich nicht gerade in eine Untersuchung der Quellenwerke, aus welchen er seine Excerpte gesammelt und der Methode, mit der er bei der Zusammenstellung derselben zu Werke gegangen ist, einlassen will, sich über ihn absolut nichts sagen läßt, soll er immerhin wenigstens im Allgemeinen „charakterisiert" in's rechte Licht gestellt, oder besser gesagt, recht in's Licht gestellt werden. Gegen eine überschwengliche Glorification des Mannes, dessen Werk als eine bedeutende Leistung anzusehen und in der That zu einer durchaus verdienten Berühmtheit gelangt ist, wäre weiter nichts einzuwenden und durste sogar verschwiegen werden, daß die in dasselbe anfgenommenen Texte nicht immer in correcter Gestalt wiedergegeben und bei der Zusammenstellung gleichartiger Stücke mancherlei Verwirrungen nicht vermieden wurden. Auch den unwissenschaftlichen Vergleich mit dein Historiker Böhmer, auf den der Verfasser verfällt, weil er gerade in vorliegender Schrift veranlaßt ist, inanche Daten aus Böhmer's Urkundensammlungen anznführen, können wir noch gelten lassen, waren doch beide Sammler, der eine von urkundlichem Materiale, der andere von altrabbinischen Schriftdeutungen, und Bewohner Frankfurts, die freilich durch einen Zeitraum von etwa sechs Jahrhunderten voir einander getrennt sind. Nun führt aber der Verfasser diesen Vergleich, der die Leistung R. Simon,s veranschaulichen soll, in folgenden Worten zu Ende: „Wie es dem gelehrten 11*

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