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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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114 Charakterisirung der Gefühls- und Denkart einzelner Talmudgelehrten solche Erlebnisse und Kernsprüche herausgehoben, die uns so recht das innere religiöse Seelenleben dieser frommen Männer offenbaren. — Sehr treffend sind oft auch die Vergleiche der Talmudsagen mit den Mythen der Hellenen und anderer orientalischer Völker (Vgl. z. B. l. S. 22 ff.), und recht schön so manche allegorische Auslegung dunkler Midraschstellen (Vgl. u. a. I. S. 11). — In der Einleitung zum 11. Teile der Mythologie hat der Verfasser das charakteristische Moment, welches die auf biblische Persönlichkeiten oder Ereignisse sich beziehenden Sagen von solchen unterscheidet, die bei weitem spätere Personen und Geschichten des talmudischen Zeitalters betroffen, mit wissenschaftlicher Klarheit und philosophischer Wahrheit entwickelt, indem er nachweist, wie die Sagenbildung, die auf jene spätere Periode Bezug hat, sich allmälig mit der religiösen Gemüts¬ und Geistesstininlnng des nach allen Richtungen der Windrose hin zerstreuten Judentums verflocht, so daß sie endlich in einen kleinlichen Aberglauben verfällt, der selbst den großen, allumfassenden Weltengott zu einem in seiner engen Hinimelszelle spintisirenden Talmudisten macht. ~ Recht gelungen sind in dem 11. Teile, der überhaupt aus deni Leben einzelner Tanaim und Amoraim viel des Interessanten mitteilt, die Charakterisirung des Simon b. Jochai (S. 7 ff) und des Eliezer b. Hirkanos (S- 2,‘i ff). — Der Styl des in sehr vieler Beziehung nützlichen Buches ist durchgehends ein fließender und klarer, der sich in der deutschen Wiedergabe der hebräisch-chaldäischen Talmudlegenden einer lobenswerten objectiven Deutlichkeit befleißt. Es sei hiermit dies auch für den ernsten Forscher des jüdischen Altertums verwertbare Buch alten Freunden der Wissenschafft bestens empfohlen. Kaposvär, im Februar 1883. vr. A. Rosenberg. Der alte Friedhof -er israelitischen Gemeinde;u Frankfurt a. M. Mit »rkundlicheil Beilagen. 24 Pag. 4". Von Direktor Dr. H. Baerwald. Frankfurta.M. LudolphSt.Goar. (Preis60Pfennige.) Der Verfasser hat sich die verdienstliche unb dankenswerte Mühe gegeben, aus den städtischen Archiven Frankfurts einige für den Gegenstand und auch im Allgemeinen interessante Urkunden hervorznholen und aus ihrem Inhalte und sonstigem handschriftlichen Materiale sowie mit Zuhilfename der anderweitig bekannten Nachrichten eine Geschichte des dortigen Friedhofes, die freilich die sehr lückenhaft ausfallen mußte, herzustellen. Wir wollen es von Herzen gerne anerkennen, daß das im Ganzen nicht reiche Material, das dem Verfasser zu Gebote stand, in sachgemäßer Weise verwertet und derselbe, soweit er bei seinem Thema bleibt, seiner Aufgabe völlig gerecht geworden ist, aber eben so offen muß es hier ausgesprochen werden, daß manche andere Angaben, die in dieser Schrift uns vorliegen und die, strenge genommen, nicht zur Sache gehören, sondern blos dazu dienen sollen, die Darstellung zu beleben und den an sich dürftigen Stoff zu erweitern und auszuschmücken, besser unterdrückt worden wären. Wir wollen dein Verfasser keinen Vorwurf daraus machen, daß er sich fremder Gelehrsamkeit bedient mtb sich über ihren Ursprung ein beharrliches Schweigen auferlegt. Das ist einmal jetzt in gewissen Kreisen modern geworden und gegen die Mode läßt sich bekanntlich nicht ankämpfen. Wir müssen, ob es uns recht ist oder nicht, es uns schon gefallen lassen, daß Dinge, die bereits zum so und so vielten Male besprochen und in erschöpfender Weise behandelt worden sind, immer von Neuem

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