Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1883)
- Date
- 1883-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Männer von solchen facto; So hat Petras Blesensis contra perfid. Jud. c. 8 seinen Zweiffel an dieser Sache nicht undeutlich zu erkennen gegeben. Dr. Mart. Luthrus in den 11. Altenb. Theile f. 323. Diese Fabel, daß wenn die Juden Christen Bluth haben müßen, vor Längst als Lügentheidungen und Narren Werk verworfen, deßgleichen hat auch Horenbeck in seinem Prolog des Buches de convertendis Judaeis gethan, und der in Jüdischen Sachen Hocherfahrene Professor Wagenseil hat in seine infundibulo p. 99 und in einer besonderen Wiederlegung, daß die Juden zu ihrem Bedürfnis Christenblut haben müßten, hauptsächlich gegen diese columniae sich gesetzt. So hat nur noch jüngstens der berühmte Basnage im VII. Buch seiner Histoire des Jufis CXI. dieselbe verworfen. Geschweige was die Juden selbst wegen dieser falschen Aufflage zu ihrer Vertheidigung geschrieben, insonderheit R. Abarbanel über Ezech. 36. 14. rc. rc. Wir haben, seitdem die Christliche Religion entstanden, Viel 1000 Juden zu deren Bekenntniß umbetreten sehen, unter denselben hat keiner ein glaubwürdiges Zeugniß zur Bestätigung dieser Fabel abstatten können. Im Gegentheil halt der Grundgelehrte und mit Redlichen Herzen zum Christenthum umgetrettener Jude Christian Gerson in der Vorrede seines Talmudts der Juden diese Fabel widerlegt." u. s. w. (Ztg. d. I. 1840. S. 272.) Im Jahre 1721 wurden den Juden in Danzig und in Simgaglia durch die in Umlauf gesetzten Gerüchte von begangenem Mord an Christenkindern bittere Stunden bereitet, und 1736 der Posener Gemeinde durch eine ähnliche Blutanklage, aus der ein vierjähriger Prozeß entstanden, viele Kränkungen verursacht, während 1743 in Saslaw in Folge der falschen Blutbeschuldigung ein unschuldiger Jude hingerichtet wurde. Auch in Wien hat man noch im achtzehnten Jahrhundert Blutanklagen gegen die Juden erhoben und zwar zu Osterzeit 1715. Wolf berichtet hierüber folgendes: Zur Osterzeit 1715 fand man an den Straßenecken Wiens Placate, welche besagten, die Juden hätten einen christlichen Knaben erschlagen. Die Regierung sah sich veranlaßt einzugreifen um Excessen vorzubeugen. (Gesch. der Juden in Wien 64.) Im Jahre 1759 erfrechten sich die wuthentbrannten racheschnaubenden Frankisten den Talmud zu beschuldigen, daß er lehre das Blut von Christen zu rituellen Zwecken zu gebrauchen. Welch eine freche unverschämte Lüge! Gerade im Talmud, der doch bekanntlich, wie die h. Schrift den Genuß des menschlichen und tierischen Blutes als ein greuliches Laster betrachtet, findet man die schönsten, freisinnigsten und lieberalsten Ansichten über Nächstenliebe, Humanität und Menschenverbrüderung. „Gott liebt alle Völker", sein Mitleid und Erbarmen erstreckt sich über alle Menschen". Die Frommen und Gerechten aller Nationen „Chosside Umot ha Olam“ werden des künftigen Lebens und der künftigen Seligkeit teilhaftig". Jeder Mensch, der das Sittengesetz der h. Schrift befolgt, gehöre er welchem Glauben immer an, verdient dem Hohenpriester gleichgestellt zu werden." Diese und ähnliche humanitäre Anschauungen enthält der Talmud, und dieser soll den Mord an Christen gestatten um deren Blut zu religiösen Zwecken gebrauchen zu können? thörichter Wahn!! Gerade um jene Zeit hatte der Papst Clemens XIII., der von dem polnischen Juden Jakob Jelek ersucht wurde durch sein wichtiges und maßgebendes Wort der falschen Blutbeschuldigung ein Ende machen zu wollen, eine günstige Erklärung in dieser Angelegenheit abgegeben, und die Blutanklage als das bezeichnet, was sie stets war, als ein — Mährchen. Fortsetzung folgt.)