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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 106

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Pharaos stehen und hatten an den niederen Knechtesdienst sich gewöhnt, sich ihm so ganz hingegeben, daß sie ihn nicht nur erträglich fanden, sondern schließlich ihr ganzes Thun and Schaffen in ihm aufgehen ließen und vor dem Gedanken, einem höheren Streben neben ihm noch Raum zu geben, zurückschreckten. Ein Volk, das so wenig eines höheren Geistesaufschwungs fähig, das so ganz nur dem Erdendienste seinen Sinn hingegeben, das seine Ziele und Aufgaben nur nach den herrschenden Verhältnissen bemißt, für seine Denkweise und Lebensrichtung nur den Maßstab der augenblicklichen Nützlichkeit hat, nicht aus seinem inneren Geiste einen höheren Gedanken hervorzubilden vermag, den es als den Leitstern seines geschichtlichen Wirkens betrachtet, als ein kostbares Kleinod, das ihm zum Schmuck und zur Zierde gereicht, ein Volk, dem alle Weisheit der Weisen Thorheit, dem dafür aber alle Thorheit der Thoren als Weisheit gilt, das vermag auch eine Hoffnung nicht zu fassen, die in dem Glauben an die ewige Gerechtigkeit Gottes wurzelt, die mit dem Bewußtsein von der höheren Bestimmung des Menschen verbunden ist, bei einem solchen Volke ist alles Reden vergeblich, das hört nicht auf Mosen, hört nicht auf das Wort der Lehrer, die ihm Weisheit verkünden, aus Kleingeisterei und weil sein ganzes Sinnen und Streben nur dem niederen Erdendienste zugewendet ist, über den es sich nie zu einem höheren Gedanken zu erheben vermag. Und ist es denn darin anders, damit in Israel besser geworden? Hat es jene geistige Hoheit und Selbständigkeit erlangt, zu deren Bekundung allein es berufen ist? Sind die Geister empfänglich, die Herzen erwärmt, die Hände hilfsbereit für die Erreichung von Zielen, welche über niederen Erdendienst hienausgehen, finden in Israel Bestrebungen Boden, welche die Verherrlichung des Geistes und den fortschreitenden Sieg der Wahrheit zum Zwecke haben? Trifft er nicht noch immer zu, der alte Vorwurf „Sie hören nicht auf Mosen", wollen von der Weisheit ihrer geistigen Führer nichts wissen, nicht weil sie etwa selbst erhaben denken und wissensreiche Gelehrte sind, sondern aus Kl eingeister ei, die über niedere Gesichtspunkte sie nicht Hillauskommen läßt, und weil noch immer das Sklaventum ihnen anhaftet, weil sie Knechte der Erde sind, die nichts mehr wissen, als erwerben und erarbeiten, was den vergänglichen Besitz begründet und vermehrt. Wer will da die Wahrheit zum Maßstabe machen und zunächst dem Geiste unserer Lehre, der höheren Bestimmung Israels gerecht werden? Man wähne nicht, daß der geistige Fortschritt in Israel mit der günstigeren Stellung und dem größeren Ansehen, zu dem Israel in unserer Zeit sich eniporgeschwungen hat, gestiegen und gewachsen ist. Keineswegs! Gar manche sind zwar groß geworden, aber ihr Geist ist klein geblieben, sie haben Macht und Ansehen erlangt, aber das Knechtsjoch Mizraims, das haben sie doch noch nicht abgeworfen. Geisteswürde und Geistesfreiheit, wie sie aus der feurigen Liebe zur Wahrheit hervorgehen, mit dem Aufschwung zu höheren Gesichtspunkten verbunden sind; davon ist noch wenig in Israel zu merken. Auf die Männer der Wahrheit, die ihnen nicht zu Willen sprechen, auf die wollen sie nicht hören aus Kleingeisterei und aus innerem Knechtssinne; dafür aber haben sie ein aufmerksames Ohr fiir die Stimmen ihrer Schmeichler, von deren Lügenreden sie sich bethören lassen, für die gewissenlosen Fälscher, die ihnen alles zurecht zu machen wissen, wie es ihnen genehm, wie es ihrem beschränkten Geiste und ihrem auf Abwege geratenen Herzen entspricht. Ob es darin besser werden wird? Der Glaube an die ewige Wahrheit der Vorsehung beseelt uns mit der festen Zuversicht, daß schließlich die Wahrheit siegen und in Israel allmälig ein besserer

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