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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 105

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 der aus solcher Taubheit des Herzens uns erwecken, den Menschen zu sich selbst zurückführen und die innere Starrheit lösen will, durch welche ihm das Licht der wahren Erkenntnis und der Weg des ewigen Heiles verschlossen wird. Ein freundlicher Ausblick, an dem das Auge sich ergözt, bereitet dem Herzen Freude und eine gute Nachricht, eine frohe Botschaft giebt der Seele Labsal und Erquickung. (Spr. 15, 30.) Dem Unglücklichen, dessen Gemüt von schweren Sorgen belastet ist, an dessen Herzen der bittere Kummer nagt, gewährt es eine wolthuende Erleichterung in seiner Seele, wenn er hinaustritt in Gottes freie Welt und jede Blume auf dem Felde, jeder Sonnenstrahl des Himmels es ihm erzält, daß bei dem Herrn die Gnade und die Treue ist, die alle Zeit besteht und in allem Werdenden sich bewährt und erneuert. Dieser Gedanke erhebt seine Seele, rüstet ihn mit Kraft, giebt ihm den inneren Mut, und mit dem Mute wächst die Hoffnung und die Hoffnung wird zur Zuversicht, die ihn vor Verzweiflung schützt und ihn mit jeder Geduld und Standhaftigkeit ausrüstet, die nicht ermüdet, bis das Ziel erreicht ist, nicht wankt, erschlafft, wenn auch steil und dornenvoll der Pfad ist, der zu seinen Höhen emporführt. Eine frohe Botschaft, eine glückliche Verheißung, wen sollte sie mehr erfreuen, mehr ermutigen als denjenigen, der mit des Herzens heißer Sehnsucht ihr entgegenharrt, dem durch sie die Erlösung von schwerem Kummer und harter Bedrängnis angekündigt wird? Schon ein freundlicher Zuspruch, ein herzliches Trosteswort, darin teilnamvolles Mitgefühl sich kundgiebt, sollte ein besseres Vertrauen in die Zukunft zu erwecken vermögen, um wie viel mehr die sichere Vorhersage des Heiles aus denk Munde eines Mannes, der seine Worte nicht in den Wind verstreuen mag, die unzweideutig ausgesprochene vielfach bekräftigte Verheißung einer besseren Zukunft, welche auf die Wahrheit sich stützt und jeglichen Zweifel von sich ausschließt und fernhält? Ist es demnach möglich oder auch nur erklärlich, bemerken unsere Weisen, daß Israel, das ja nichts sehnlicher als die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens herbeiwünschen konnte, Mosen, dessen Herz von glutvoller Liebe und Hingebung für Israel beseelt war, Mosen, der im Namen Gottes und mit zuversichtlicher Gewißheit diese Erlösung ihm verhieß, nicht glauben, ja nicht einmal Gehör geben wollte? Hat man das je schon gehört, daß jemandem eine frohe Verheißung, eine glückliche Botschaft zu Teil wird und er eher in düsterer Bangigkeit, in dumpfer Verzweiflung beharrt, als daß er sein Herz zur Hoffnung erweckt und seine Seele in freudiger Zuversicht stärkt? Es ist nicht anders, sie wollten auf Mosen nicht hören, nicht weil das Verlangen nach Erlösung ihrem Herzen fremd war, sondern weil der Glaube an den erlösenden Gott zu hoch über den niederen Gesichtskreis ihrer Erkenntnis hinausgieng, sie wollten auf Mosen nicht hören aus Kleingeisterei, sie konnten sich nicht lossagen von dem niederen Götzentum, das ihnen anhieng, von der mit blinder Starrheit festgehaltenen Anschauung, daß durch die irdischen Gewalten allein die Geschicke der Völker entschieden werden, daß für die Dauer der Schwächere dem Stärkeren unterliegen müsse und die Wahrheit und Gerechtigkeit auf Erden nicht zur Geltung gelangen können, weil die Macht der Herrschenden allein den Ausschlag giebt und jeder daher dem Verhängnisse sich fügen müsse, dem der blinde Zufall ihn unterworfen hat. Und sie wollten auf Mosen ferner nicht hören aus niederem Knechtssinne, wollten die Freiheitshoffnung nicht in ihr Herz aufnehmen, weil auch der Freiheitss inn ihnen fehlte und in ihrer Seele das Verlangen, aus der Knechtschaft Ägyptens herauszukommen und höhere Lebensziele anzustreben, nicht den rechten Boden gefunden hatten. Sie wußten es gar nicht anders, als daß sie lediglich in dem Dienste

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