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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 emporschaut nach einer Antwort auf alle seine Fragen und Bitten, nimmer wanken, auf den Grundlagen des Menschengeistes und Menschengemüts. Die Sendung des Juden ist eine doppelte, eine religiöse und eine sociale. Eben weil er ein internationales Element in allen Staaten und Ländern und eine interconfesionelle oder eigenartige kirchenlose Glaubensgemeinde unter den Religionen bildet, steht er inmitten der streitenden Parteien und Klassen als der Friedenspriester, als der Sendbote der reinen kosmopolitischen Humanitätsidee da, die Zeit verheißend und herbeiführend, in der alle bürgerlichen und religiösen Ungleichheiten verschwunden und Jude, Christ und Heide im Menschen, dem Gottessohne, ganz und voll aufgegangen sein werden. Allein, um für diese Idee der reinen, alle Völker und Religionen umschließenden Humanität zu leben und zu wirken, muß der moderne Jude erst noch sein ganzes Denken, Empfinden und Handeln reformiren, das engherzige Kleine und exclusiv Nationale aus seiner Bibel, seinem Kultus, ja, aus seiner ganzen Lebensanschauung ausscheiden und alles Menschlich-Edle und Große in den Kreis seiner Interessen und Bestrebungen ziehen. Was jetzt blos hie und da einige Juden zur Zierde ihres Stammes sind, echte, edle Philanthropen, Wolthäter der Menschheit, das müssen alle Juden werden und damit allen Vertretern der Eiuzelninteressen im Staat, in der bürgerlichen oder religiösen Gesellschaft die höheren Aufgaben, Zwecke und Ziele der Menschheit vor Augen halten. Anstatt Palästina, soll die ganze Erde zum Heiligen Land der Humanität, statt Jerusalem's jeder Ort zur Gottesstadt geweiht werden. Das ist unsere Messiashoffnung, und ist unser Bund ein Salzbund genannt, nun, dann muß Israel als das Salz der Menschheit überall hin verteilt, oder wie Segenssaaten über die ganze Erde hin zerstreut sein. Treu gegen Staat und Gesetz, ein guter Sohn seines Vaterlandes, wie der Jude sich immer gezeigt hat, soll er überall doch das höhere und heiligere Banner der in Gott geeinten Menschheit, das alle Nationen und Racen vereint, entfalten. Freilich, solange der Sturm währt, wird der frostgeschüttelte Wanderer sich immer wieder mit seinem Mantel schützen. Lasset nur erst die milde Sonne scheinen, und der Mantel fällt. Solange Racenhaß und Vorurteil die Welt umnachten, da habt ihr den Kampf Jakob's gegen den finsteren Feind. Warten wir. Der Tag muß kommen, und die Sonne geht dann hell auf über Israel, den Gotteskämpfer, die Brüder reichen sich die Hände, und wer bis dahin gehaßt, geschmäht hat, der hat nur — Worte des Segens. Zum Uefachfeste. Es ist selten ein Gemüt so verbittert, ein menschlich Herz so verzagt und niedergedrückt, daß es fort und fort nur in den eigenen Gram sich versenken, nie über denselben sich erheben würde zu den lichten Höhen der Hoffnung. Wie selbst in dem nächtlichen Dunkel, wenn tiefe Finsternis die Erde bedecket, nicht jeder Schimmer des Lichtes erloschen und dahingeschwunden ist, wie da, ob auch aus fernen Himmelshöhen, der milde Sternenglanz herniederfließt, der uns verkündet, daß ein Gott des Lichtes über dem Weltall thront, so ist auch der schmerzbelasteten Seele, über die die Nacht des Kummers und der Sorge sich

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