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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 101

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 nach aus Indien importirt und wol erst durch Erfindung des Zero zum System vervollständigt, wie ja auch sowol Algebra wie Ziffer und Zero ihre semitische Abkunft bekunden. Was möchte wohl aus Amerika geworden sein, hätten die Mohamedaner nicht den Kompaß von China entlehnt und den europäischen Westen damit beschenkt? Ob die Semitenhasser im hohen Kriegsrat sich schon gesagt haben, daß Schießpulver, die Stärke der Nationen, eine semitische Erfindung ist? Hat auch der Jude Tipsiles in Augsburg sowenig als der Mönch Berthold Schwartz einen Anspruch darauf, so gebührt das Verdienst doch den Arabern. Die Antisemiten haben überhaupt das Pulver nicht erfunden. — Chemie ist im ganzen eine Wissenschaft oder Kunst, die der arabische Genius entdeckt hat, wie überhaupt alle Wissenschaften durch die Araber neue Trieb- und Schwungkraft erhalten haben. Unsere Himmels- und Erdkunde, unsere Medicin und Musik, ja die Poesie, Philosophie und schöne Literatur haben mächtige und tiefeingreifende Einflüsse Seitens der arabischen Kultur erfahren. Es ist nicht zu viel zu behaupten, ohne die muslimische Civilisation wären Dante, Shakespeare und Milton nimmermehr erstanden. Zwischen dem Muselmann und dem Christen aber stand der Jude als Vermittler. Er bildete das verbindende Glied zwischen dem Morgen- und dem Abendlande, zwischen der mohamedanischen und christlichen Welt. Der Jude verpflanzte die gesummte arabische Kultur, die griechisch-arabische Philosophie, wie die arabische Wissenschaft, als auch die Produkte östlicher Industrie nach Europa. Juden übersetzten, wie ehedem griechisch-syrische Werke mit in's Arabische, so jetzt arabische und hebräische Werke in's Lateinische zur Benützung der gelehrten und erlauchten Herren der Christenkeit für Kaiser und Könige. Juden halfen die ersten Universitäten und Gelehrtenschulen in Südfrankreich und Italien in's Leben rufen. Juden zeichneten geographische und astronomische Karten für spanische Fürsten und Seefahrer. Juden begleiteten und unterstützten Vasca di Gama und Columbus auf ihren kühnen Fahrten. Jüdische Denker wie Jbn Gabriol und Maimonides liehen im Verein mit den Arabern Avicenna und Averroes den großen Kirchenlichtern des Mittelalters Thomas von Aquino und Albertus Magnus den besten Teil ihrer Weisheit. Aber auch die Begründer der Renaissance und der Reformation haben die ersten Anregungen und die Waffen für ihren gewaltigen Kampf gegen die Kirche von, einfachen jüdischen Lehrern empfangen. Die einzigen wissenschaftlich gebildeten Ärzte, deren sich die christlichen Herrscherhöfe und Stadtleute bedienten, wie die Astronomen, denen man neben der Ästrologie noch gar vielerlei Wunderdinge zutraute, waren Juden, oder Schüler von Juden und Arabern. Juden besorgten den diplomatischen Verkehr zwischen den verschiedenen Völkern des Ostens und Westens, da sie mit den verschiedenen Sprachen am meisten oder allein vertraut waren. Der Jude bildete thatsächlich den unentbehrlichen Factor des staatlichen und commerciellen Weltverkehrs. Er mußte durch seine weitverzweigten Verbindungen der Beherrscher des Welthandels, des Geschäftsbetriebs werden. Er war den Fürsten für ihre staatlichen, die diplomatischen wie finanziellen Geschäfte, dem Bürger für die Herbeischaffung der östlichen Kunst- und Naturprodukte unentbehrlich. So kam es, daß er in allen großen Mittelpunkten des Handels in Europa zur Macht und zum Reichtum, trotz aller feindlichen Gewalten, sich emporschwang. In der That hat jüdischer Handelsgeist und jüdisches Kapital fast alle großen Handelsstädte Europa's von London und Paris bis Kiew, der alten russisch-czarischen Handelsstadt und von Nürnberg, Regensburg und Augsburg bis Ämsterdam und Hamburg im Wesent-

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