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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-05-01 · Heft 5 (1.5.1883) · p. Seite 100

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 5 (1.5.1883)
Date
1883-05-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Charakters? Der Decalog, der Grundstein unseres Gesellschaftsbands, ist jüdisch. Die Grundlinien unseres Civilrechts, unsre Ehe- und Armengesetze sind jüdischen Ursprungs und Charakters. Die Bibel, das Neue Testament mit eingeschlossen, ist das Werk des jüdischen Geistes, und soviele klassische und sonstige arische oder andere Bildungselemente wir auch darin aufnehmen, die biblische Moral und Weltanschauung bleibt, tausendfach verfeinert und vertieft, doch der tiefe Grundton unsrer Gefühls- und Betrachtungsweise. Ja, selbst der erste freundschaftliche Gedankenaustausch zwischen Sem und Japhet, die ersten Verschmelzungsproben von griechischer Philosophie und jüdischer Lehre wurden von Juden auf dem kosmopolitischen Boden der Weltstadt Alexandria gemacht. Juden haben dem Christentum den Weg in's Herz der Heidenwelt gebahnt. Wo der Jude die ersten Samenkörner der Offenbarung ausgestreut, da hat das Christentum eine goldene Ernte gefunden. Nichts aber schlägt den Thatsachen der Geschichte mehr in's Gesicht, als die Behauptung, das Judentum hätte init der Geburt des Christentums seine Kraft erschöpft und seinen Geist ausgehaucht. Gerade im trüben Mittelalter hat es seine wunderbare Lebensfähigkeit und Geistesfrische recht augenfällig bewährt. Gerade als die Kirche mit den Ovalen ihrer steten Dogmenstreitigkeiten den gesunden Menschenverstand nahezu der Erstickung preisgab, hat der Jude die Lampe der Erkenntnis in vollem Licht erstrahlen lassen. Der Fanatismus der Kirche hat die arische Kultur, griechische Philosophie, Wissenschaft und Kunst beinahe von Grund auf zerstört; Semiten, der syrische Unitarier, der arabische Muselmann und der Jude haben sie vor völligem Untergange gerettet. Juden waren die Lehrer Mohamed's, dessen Feuer der Begeisterung bei allen unreinen Elementen, die sich beigemischt haben, doch die östliche Halbwelt für den Cinzig- Einen Gott Abraham's wiedergewann. Und wieviel verdankt die moderne Civilisation jenen feurigen Fahnenträgern Allah's und deren Stammgenossen, den sie auf ihrem Eroberungszuge bekleitenden Juden! Das dem Kalifen Omar in den Mund gelegte Wort: „Verbrennet die Bibliothekenschätze Alexandrien's, denn was des Wahren in den Büchern zu lesen, das steht im Koran und ist überflüssig, das Unwahre dagegen muß als schädlich vernichtet werden!," ist eine böswillige Erfindung. Das Gegenteil davon ist wahr. Was an heidnischen Literaturschätzen übrig geblieben war in Alexandria, das haben in ihrer wilden Glaubenswut die Mönche und Bischöfe in Brand gesteckt oder mit der letzten heidnischen Philosophie, der edlen Hyatia, gemeinsam in Stücke gerissen. Dagegen erstand überall neben der Moschee eine Schule, und die muslimischen Herrscher wurden großherzige Beschützer und Förderer der Philosophie und Wissenschaft. Verfolgt und verbannt von christlichen Befehlshabern, fanden die griechischen Schätze und die Männer der Gelehrsamkeit eine Heimat auf dem weiten Gebiet des Jslam's. Die arische Christenheit verlernte buchstäblich das Lesen und das Schreiben, zur selben Zeit als die Semiten im mohamedanischen Weltreich die Literatur und das wissenschaftliche Studium in solchem Maße pflegten, daß der stets nachstehende Bedarf von Schreibmaterial sie auf die Erfindung der Papierfabrikation — vielleicht nach chinesischem Muster — hinleitete. Nun denken Sie sich unsere Kultur heute ohne Schreib- und Druckpapier! Und man wagt uns als Semiten den Antheil an der heutigen Kultur streitig zu machen! Oder stellen Sie sich, wenn Sie können, unsere gesammte Industrie, unsere Natursorschung oder unser Gewerbe oder den Handelsbetrieb ohne den Gebrauch der Ziffern vor! Die Zahlen haben aber die Araber den Elementen oder Zeichen

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