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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 95 (sequence 23)
Language
German
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95 Hleferale und Witteikungen. Die modernen Anklagen gegen das Judentum als falsch nachgemicfe». Eine Rede von vr. L. Münz, Rabbiner in Kempen, (Provinz Posen.) Kommissions-Verlag: I. Kauffmann's Buchhandlung, Frankfurt a. M. 1882. Eine durch ihre lichtvolle Darstellung ausgezeichnete Schrift, die besonders dazu geeignet ist, auch in jüdischen Kreisen die Begriffe über Judentum und jüdische Religion aufzuklären. Der durch seine „drei Reden politischer Tendenz" (Breslau, Schletter'sche Buchhandlung) vortheilhaft bekannte Verfasser weist nach, wie das Judentum Vaterlandsliebe und allgemeine Menschenliebe lehrt und, weit entfernt von jeder Engherzigkeit, zu dem erhabenen Ausspruche sich erhebt, daß alle tugendhaften Menschen der ewigen Glückseligkeit teilhaftig werden. (S. 20). In kraftvollen Worten führt der Verfasser aus, „daß in der Idee des Juden- „tums für uns die Anforderung liegt, an den reellen Bestrebungen der großen „Völkerfamilien thätigen Anteil zu nehmen, an den Werken, welche die Entwicklung des staatsbürgerlichen Lebens, die Förderung von Kultur und Wissenschaft „zu ihrem Zwecke heben, ernstlich nützuarbeiten." — Wir können diese von so hohem sittlichen Ernste getragene Schrift nur bestens empfehlen. _ Die Grundlagen der Kant'schen Erkenntnistheorie. Eine Einführung iu die Kritik der reinen Vernunft. Von Dr. Wilh. Münz. Breslau, Verlag von Wilhelm Köbner. 1882. Kant ist der Philosoph, der auf die jiidischen Denker der neueren Zeit den nachhaltigsten Einfluß ausgeübt hat. Wer einen Einblick gewinnen will in den Geist der modernen jüdischen Denkrichtnng, zumal in der Religionsphilosophie, muß von Kant ausgehen. — Eine vortreffliche Einführung in das hervorragendste Werk Kant's, in die Kritik der reinen Vernunft, wird uns in der vorliegenden Schrift geboten. Es ist hier nicht am Platze, auf den inneren Gehalt dieses mit sieghafter Klarheit geschriebenen Buches einzugehen; wir bemerken nur, daß dem Münz'schen Werke in Fachkreisen eine ungewöhnlich günstige Beurteilung zu Teil wurde, und daß jeder Gebildete nur mit hoher Befriedigung in dem lichtvollen Buche lesen wird._ (Frankfurt a. M.) Vom 10. bis 15. September wird in Leiden der sechste internationale Orientalisten-Congreß tagen. Die Einladungen hierzu ergehen von einem Comite, an dessen Spitze Prof. Dozy steht. Es wäre zu wünschen, daß auch nahmhafte jüdische Gelehrte sich dahin begeben. (Paris.) Vor einiger Zeit hielt Ernst Renan im Cercle Historique einen Vortrag über den Judaismus. Renan hält es für einen Irrtum, wenn man von einer jüdischen Nation spricht, da es nur eine jüdische Religion gebe. Ursprünglich sei das Judentum die besondere Religion einer semitischen Familie der Bene Israel gewesen. Sie war eng national wie die der benachbarten heidnischen Stämme und erzeugte erst allmälig aus sich den Spiritualismus, durch welchen sie sich vom Götzendienste unterschied. Im achten Jahrhundert vor Christo hat das Judentum durch seine ins Leben gesetzte Anschauungen, durch feine Verehrung Jehovah's den Charakter angenonnnen, der es zur Grundreligion der gesammten Menschheit erhoben. Es war das die herrliche Zeit der

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