Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 An demselben Tage wurde in Briissel der am 6. Februar verstorbene Senator Herr I. R. Bischoffsheim unter großen Ehren zu Grabe geleitet. Bischoffsheim, in Mainz 1803 geboren, stand in Belgien in hohem Ansehen. An seinem Sarge sprachen außer dem Rabbiner Dreyfuß, noch der Finanzminister Graux, Bürgermeister Buls und im Namen hervorragender Körperschaften Geelhand und Lippens. Auch in der Synagoge fand eine Totenfeier für den Verewigten statt. Am 11. Februar starb zu Berlin der langjährige Vorsitzende des israelitschen Gemeindevorstandes, Stadtrath nnd Geheimer Kommerzienrath Meyer Magnus. Sein Leichenbegängnis am 11. Februar gab Zeugnis von der großen Anerkennung, die das Wirken des Verewigten in allen Kreisen der Berliner Bevölkerung^gefunden. Die Rabbiner Dr. Frankel, Maybaum, Ungerleider und der Bürgermeister Forkenbeck, widmeten ihm Worte ehrender Erinnerung. Jellinek, der eine Biographie des Verewigten zu schreiben vor hat, bezeichnet ihn als einen der interessantesten und außerordentlichsten Männer des Judentums in diesem Jahrhundert. Am 10. Februar verstarb zu Heidelberg Hofrath Dr. Adolf Levy im 63. Lebensjahre. Seit den: Jahre 1831 wirkte derselbe als Mitglied der Oberkirchenbehörde. Bei seinem Leichenbegängnisse in Stuttgart sprach Kirchenrath Dr. Wassermann. In Amsterdam, wo gegenwärtig das Judentum durch seine orthodoxen Oberrabbiner Dünner geschändet wird, der es nicht zuließ, daß das Kind einer streng frommen Proselytin, die bürgerlich und religiös rite getraut, auf dem jüdischen Friedhofe begraben werde, starb vor Kurzem Herr Prof. Dr. A. H. Israels, der es durch seine edle Wirksamkeit in Wissenschaft und Leben zu Ehren gebracht. Noch wäre zu erwähnen der Tod des Schriftstellers I. Mises in Thorn und S. G. Stern's Hinscheiden in Wien, über welch' letzteren wir später noch ausführlicher berichten werden. In Petersburg starb am 26. Januar Kajetan Adriewitsch Kossowi tz sch, Professor der Sanscrit daselbst. Ein Kenner und Verehrer der jüdischen Literatur sei seiner, obgleich er nicht Jude war, hier ehrend gedacht. Er hat die hebräische Grammatik von Gesenius ins Russische übertragen und das hohe Lied aus dem Urtexte ins Lateinische übersetzt. Die Liebe zur jüdischen Wissenschaft übertrug er auch auf die Juden. In Venedig, wo jüngst der große Tondichter Richard Wagner starb, — bei dessen am 18. Februar in Bayreuth erfolgter Beisetzung auch der Rabbiner der Gemeinde als officieller Vertreter anwesend war, — aus welchem Anlasse die „Allgeineine deutsche Musikzeitung" einen Empfehlungsbrief des von ihm später verlästerten Meyerbeer vom 18. März 1841 veröffentlicht, durch welche die erste Aufführung Rienzis bewirkt wurde, starb am 27. November 1882 der zu Venedig am 28. März 1820 geborene Schriftsteller Moise So ave. In der Blüte der Jahre wurden ihm seine hoffnungsvollen Söhne entrissen, sein einziger Trost blieb das Studium. Nach des Tages Last und Mühen zog er sich in sein Studierzimmer zurück und befaßte sich mit der jüdischen Literatur, für die er große Begeisterung an den Tag legte. Neben vielen Arbeiten im 6orrioro israelitico und im Vessillo israelitieo veröffentlichte er verschiedene größere Abhandlungen, von denen wir hier die über Dante und den Dichter Emanuel, sowie die über Leon de Modena hervorheben wollen. (Vergl. Grünwald, jüdisches Centralblatt Nr. 3. 1883.)