Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 93 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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93 §in Heöet aus dem Anfang unseres Jahrhunderts, zeitgemäß gegen Ende dieses Jahrhunderts. Mitgeteilt von vr. Samuel Back, Prag-Smichow. Vor mir liegt: „Gebetbuch für aufgeklärte katholische Christen. Herausgegeben von Philipp Joseph Brunner, der Gottesgelehrtheit Doktor, Reichsstift Odenheimischen Schulen - Visitator und Pfarrer zu Tiefenbach und Eichelberg. Mit Genehmigung des Hochwürdigen Vikariats zu Bruchsal. Siebente Auflage. Heilbronn am Neckar. 1804." Daselbst Seite 326 ist zu lesen: „Gebet für die Juden." » „Allmächtiger, ewiger Gott! ich flehe zu dir für das Wohl einer zerstreuten Nation, die so manchen Druck, so manche Verachtung in der Vorzeit dulden mußte. Ach, das Elend dieser Unglücklichen schien Vielen ein Triumph der Lehre Jesu zu sein, und um diesen Triumph desto glänzender zu machen, vergrößerte man ihr Elend und zerstörte in diesem geschäftigen Volke jeden Keim des bürgerlichen und häuslichen Glückes. Die Religion Jesu wurde ihnen verhaßt, weil so manche Bekennerderselben ihre ewigen und gleichsam geschworenen Feinde waren. Nie soll ein so unwürdiger und feindseliger Glaubensstolz mein Herz verblenden und verderben. Da ich, o mein Gott! von Jesu gelernt habe, daß alle Menschen Brüder sind, so will ich an ihnen die Menschennatur und die Menscherechte verehren, die sie mit mir gemein haben; ihr Elend selbst, und ihre bürgerliche Erniedrigung soll mir allezeit die thätigste Begierde einflößen, sie zu trösten, ihr Leiden zu mildern, und sie durch den Anteil, den ich an ihrem Schicksale nehme, von dem betäubenden Schlage ihrer ehemaligen Zerstörung wieder aufzurichten. Amen." Dieses vor nahezu hundert Jahren abgefaßte christliche Gebet sei hiermit den katholischen Theologen vom Schlage Rohling's und allen, die das Judentum verunglimpfen, zur Erbauung und Beherzigung auf das Wärmste empfohlen. Eine Einkehr in sich wäre wahrhaftig weit religiöser, als die erhabene Lehre des Judentums, die die Grundlage der ganzen civilisirten Welt geworden, zu verlästern. Metrologie. Am 8. Februar 1883 wurde in Nordstetten das Grabdenkmal des am selben Tage im vorigen Jahre zur Erde bestatteten Dichters Berthold Auerbach aufgerichtet und eingeweiht. Der Neffe des Verewigten schloß seine bei diesem Anlasse gehaltene Rede mit den Worten: „Seinen Worten wird der Deutsche lauschen, so lange des Schwarzwaldes grüne Wipfel rauschen." Das einfache Grabdenkmal besteht aus einer auf zwei roten Sandsteinblöcken ruhenden Granitplatte.