Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Räuber einen Knaben ermordet und der Pöbel wie gewöhnlich gegen die Juden das Geschrei erhob; glücklicherweise wurde der Thäter ergriffen. (Synz. Poesie 50.) Josef ha Kohen erzählt diesen Fall ausführlich in folgender Weise: „Im Jahre 1456 ging ein kleiner Knabe in Salamanca in Spanien an einem christlichen Festtage aus einem Hause mit goldenem Geschmeide geschmückt und mit seinen Festkleidern angethan. Da kamen zwei nichtswürdige Menschen auf ihn zu, schleppten ihn aus der Stadt und zogen ihm seine Kette ab, und als der Knabe sehr weinte, und nach der Stadt zurückkehren wollte, liefen sie ihm zum zweiten Male nach, erschlugen ihn und deckten ihn mit Erde zu, ohne daß es Jemand gesehen hatte. Hierauf wurde der Knabe gesucht und man ließ ausrufen, daß, wer den Knaben finden würde, eine Belohnung erhalten solle. Nachdem ihn die Hunde der Hirten, welche einen seiner Arme hervorzogen, aufgefunden hatten, nahmen die Hirten den Arm und brachten ihn nach der Stadt, worauf mehrere Bewohner der Stadt nebst dem Vater herauskamen, um nachzusehen, und nachdem sie das Kind erkannt hatten, weinte sein Vater um dasselbe gar sehr. Als aber die Richter sprachen: Welcher Mensch könnte nun wohl eine solche That zu verüben gewagt haben? meinten sie: gewiß hat diese Schandthat ein gefangener Muselmann oder ein Jude gethan und Viele behaupteten, die Juden hätten dies gethan um ihrem Gotte damit ein Opfer zu bringen, worauf Alle, brüllend wie Bären, mit den Worten in die Stadt zogen: die Juden haben ihm das Herz herausgenommen und es gebraten gemeinsam verzehrt. Alsdann versammelten sich die Verwandten des Erschlagenen, legten ihre Kriegsgeschosse in Bereitschaft, um den Juden sofort den Garaus zu machen, und wenn nicht der Herr in seinem Erbarmen es dem Sinne des Königs eingegeben hätte, die Sache genau zu untersuchen, so wären sie damals wahrscheinlich ums Leben gekommen. Bei der Untersuchung wurde die Sache durch den Goldschmied, dem die Mörder die goldenen Geschmeide, die der Knabe an hatte, verkauft hatten, ermittelt, worauf sich der Zorn gegen die Juden legte." (Wiener Lmelc da öaoka 62.) Im Jahre 1468 hat in Sepulveda bei Segovia in Spanien eine Judenhetze stattgefunden, bei der mehrere Juden erschlagen wurden. Die Veranlassung hiezu gaben nichtswürdige, raubgierige Menschen, die das Gerücht verbreiteten, die Juden hätten ein Christenkind ermordet. Im Jahre 1475 wurde in Trient zu Osternzeit ein christliches Kind, Namens Simon, heimlich von einem ruchlosen Tyrannen erschlagen und in den Teich neben der Wohnung eines Juden, Namens Samuel, geworfen. In Folge dieses Ereignisses wurden die Juden gefoltert, gequält, gemartert und gezwungen, einzugestehen, daß sie den Knaben erdrosselt haben uni dessen Blut zum Passah- Feste zu genießen. Das Resultat war, daß sämmtliche Juden von Trient verbrannt wurden. Der Bischof von Trient und andere Geistliche gaben sich alle erdenkliche Mühe um den Juden auch außerhalb Trients recht derbe Hiebe versetzen zu können. Die Leiche des Kindes wurde einbalsamiert und dem unwissenden wahnumnachteten Pöbel als heilige Reliquie empfohlen. Blödsinnige Menschen, die zu der Grabstätte dieses neuen Heiligen wallfahrten, verbreiteten das Gerücht, daß sie gesehen haben, wie die Gebeine des jungen Märtyrers Simon erglänzten. Das Volk war so fanatisi.rt, daß die zwei Rechtsgelchrte, die aus Padua nach Trient kamen, um sich von der Wahrheit dieses Gerüchtes zu überzeugen, erdrosselt worden wären, so sie sich nicht rasch zurückgezogen hätten. Das Wunder wurde allgemein geglaubt und so drohte den Juden auf's Neue in allen christlichen Ländern Gefahr. 8 *