Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 88 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
78% known words query
IRI
…/2969669-2969698-2969703--0715-2971146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 sonstige Adelige und Mächtige Eurer Städte und Bezirke bestrebt sind, zu ihrer (der Indent Ausplünderung und Konfiszierung ihres Vermögens einen Vorwand zu suchen, gegen sie allerlei Ränke schmieden und falsche Anklagen erheben, ohne zu bedenken, daß die Beweise des christlichen Glaubens aus ihren Archiven hervorgegangen sind. Während die heil. Schrift unter den anderen Geboten des Gesetzes „Töte nicht!" erwähnt, betreffs des Ritus des Passah-Festes aber auch die Berührung eines jedweden Leichnams verbietet, beschuldigen sie die Juden, daß sie gerade zum Osterfeste das Herz eines ermordeten Kindes unter sich verteilen, wo doch ganz offen bekannt ist, daß das Gesetz gerade das Gegenteil gebietet. Manchmal werfen sie einen zufällig aufgefundenen Leichnam unter die Juden und wüten dann gegen sie auf Grund solcher und ähnlicher lügenhafter Erfindungen, ohne regelrechte Anklage, ohne Geständnis und Beweise, entgegen den vom apostolischen Stuhle ihnen gnädigst bewilligten Privilegien, wider Gott und die Gerechtigkeit, berauben sie dieselben ihres ganzen Vermögens, peinigen sie durch Hunger, Einkerkerung und sonstige Martern, verurteilen Viele zu verschiedenen schweren Strafen, Andere zum schändlichsten Tode, so daß die unter den erwähnten Fiirsten und Herren lebenden Juden viel schlimmer daran sind, als es ihre Vorfahren unter Pharao in Egypten waren; sie sind gezwungen, elend auszuwandern aus solchen Orten, wo sie und ihre Vorfahren seit Menschengedenken wohnten. In ihrer Angst vor gänzlicher Vernichtung haben sie es daher für gut befunden, sich an die Obhut des apostolischen Stuhles zu wenden. Und da wir nicht wollen, daß die Juden ungerechterweise mishandelt werden, empfehlen wir Euch und befehlen durch unsere apostol. Schrift, daß Ihr gegen sie wohlwollend und gnädig seiet, und wo Ihr erfahrt, daß sie ungerecht angegriffen werden, machet solchen Angriffen ein Ende und gestattet nicht, daß sie in Zukunft solchen oder ähnlichen Gefahren ausgesetzt sein sollen. Diejenigen aber, die sie unterdrücken, sollen mit kirchlichem Banne belegt werden" u. s. w. (Vgl. Orient 1844 S. 319 u Gr. Gesch. 7 B. S. 126.)*) Trotz dieser päpstlichen Bulle kamen doch noch öfters Judenschlachtereien vor. Im Jahre 1283 hat man zur Osterzeit in der Nähe von Mainz ein totes Christenkind gefunden. Die erbitterten Judenfeinde begrüßten diesen Fall cipes ocalii nobiles et potentes vestrarum civitatnm et dioecesum, ut corum bona injuste diripiont et usurpent adversus ipsos impia consilia cogitantes et fingentes accusationes varias et diversas, non considerato quod quasi ex archivis corum Christiane fidei testimonia prodierunt. Scriptura divina inter alia mandata legis dicente „non occides“ ac prohibente in solemnitate paschali quicquam morticinium non contiugere, falso imponunt eisdern, quod in ipsa solemnitate (paschali) de corde pueri eommuuicant interfecti, credentes, id ipsam legem praecipere, cum sit legi contrarium manifeste. Ac eis malitiose obiicjunt hominis cadaver mortui, si contigerit ill ud alicubi reperiri. Et per haec et alia quam plura figmenta sevientes in ipsis, eos super his non accusastos, non confessos, nec convictos, contra privilegia illis ab Apostolica sedre dementer iudulta spoliant contra Deum et justitiam omnibus bonis suis; et inedia, carceribus, ac tot molestiis tantisque gravaminibus premunt ipsos, diversis poeuarum affligendo generibus, et morte turpissiama eorum quamplorimos condemnando, quod iidem Judaei, quasi existentes sub proedictorum principum — dominio deterioris conditionis, quam eorum patres sub Pharone fuerint in Aegypto, coguntur de locis iuhabitatis ab eis et suis autecessoribus a tempore, cojus non extat memoria, miserabiliter exulare Unde suum exterminium metuentes duxerunt ad apostolicam sedis providentiam recurradum, Nolentes igitur praefatos Judaeos injuste vexori — fraternitatae vertrae per apostolica scripta mandamus, guatenus eis vos exhibeatis favorabiles et benignos“ etc. *) Am 7. Juli 1273 wurde diese Bulle von Papst Gregor X. erneuert und im Jahre 1275 vom Kaiser Rudolf I. auf's Neue bestätigt und mit dem großen Majestätssiegel versehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.