Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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86 „Die großen Gelehrten betrieben alle ein Handwerk." (Gittin 67».) „Die wahre Beschäftigung steht hoch, sie wärmt das Herz" (Daselbst). „Das Studium muß die praktische Beschäftigung überall begleiten." (Berachot 35 b.) „Rabba stellte im Frühjahr uitb im Herbste seine Vorlesungen ein: denn das war die Zeit zur Feldarbeit." (Daselbst.) Und „wer seinen Acker bestellt,, hat Brod." (Spr. 12, 11.) „Sammle ein das Getreide, deinen Most und dein Öl, damit du essest und satt werdest." (5. M. 11, 14.) VIII. Bit Milde und Bescheidenheit. „So spricht der Herr: nicht rühme sich der Kluge seiner Klugheit, nicht der Held ob seiner Stärke, nicht wegen seines Reichtums der Reiche, sondern deß rühme sich, wer sich rühmen will, daß er die Einsicht besitze und wisse, daß ich der Ewige bin, der Milde, Recht und Wohlwollen übt auf dieser Erde, daß ich an diesen Tugenden Wohlgefallen finde." (Jer. 9, 22. 23.) „Der Geist der Liebe vereinigt alle Tugenden in sich, die der Mensch als Ebenbild Gottes in seinem Herzen trägt und durch Erkenntnis dieser seiner inneren Eigenschaften finden kann. Durch das ganze All zieht die Liebe ihre Bande, die in der menschlichen Brust vielfältig sich verknüpfen. Wol dem Menschen, der diesen unsichtbaren Knoten in seinem Herzen gefunden, den Schwerpunkt der himmlischen Weisheit hat er endeckt, er ist erleuchtet dann vom Geiste der göttlichen Lehre und die ist rein, untadelig, Labsal für die Seele und ewig wahr. Den Einfältigen macht sie klug, erfreut das Herz. Das Gesetz dieses Gefühlsstromes ist lauter und erleuchtet das Auge und besteht ewiglich." (Psalm 19, 8.) Die Sonne bescheint täglich das All und alle Geschöpfe erquicken sich an dem wohlthuenden Lichte. Das Eine wächst und gedeiht, das Eine bereitet das Mahl dem Andern. Wer dies sieht und versteht.-. Da eilt hinaus die Heerde auf die Wiese und das junge Gras hat sich vorbereitet, es ist frisch und saftig, es ist wieder gewachsen. Neue Blumen schmücken die Au und der Geist der Liebe zieht dahin und webt und spinnt und empfängt liebevoll jedes Geschöpf. Die Sonne blickt so traulich nieder auf die Erde und was Herz hat, freut sich. Da giebt es nicht Zank, nicht Streit. Groß und Klein ist da gleich, und der Knecht frei seines Herrn." (Job. 3, 19.) Wer will sich da erheben über den Andern, wer kann sich da größer dünken als die Andern, wo die ewige Ordnung unabänderlich die Kette schließt? Wer sich rühmen seiner Stärke, wenn der Bitzstrahl niederfährt und die Eichen niederstreckt, wie einen Strohhalm zerknickt, wenn die Donnnerstimme der Erde festen Grund erschüttert? Wer kann stolz sein auf seinen Reichtum, wenn der süße Duft der Rose vor dem Windstoß in Nichts zerfließt? Da steht auf jedem grünen Blatt geschrieben, „das ist ein Finger Gottes". (2. M. 19, 17.) „Belehren sollst du deinen Nächsten, sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ich bin ber Herr." (3. M. 19, 17 u. 18.) Fortsetzung folgt.)