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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1883-04-01 · Heft 4 (1.4.1883) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 4 (1.4.1883)
Date
1883-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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85 gab es kund, da hat er sie eingesetzt und durchschaut und sprach zum Menschen: sieh Gottesfurcht, das ist die Weisheit, das Böse meiden Vernunft." (Job. 28.) Mühevoll ist der Weg zur Weisheit und um Plage will die Liebe zur Erkenntnis erkämpft sein. Aber wie schön, wie herrlich gestaltet sich das Leben, wenn dieser göttliche Funke einmal im Herzen erwacht, zündet und den Drang so mächtig entfesselt, der immer tiefer und tiefer in die endlosen Schatzkammern des Wissens einzudringen strebt. Gewaltig werden die jungen Geister dann von diesem Triebe erfaßt und von jenem unsichtbaren Geiste der Liebe zur Erkenntnis getragen. Im Kampfe wider Elend und Not streben die jungen Genien dann empor und ringen um das schönste Ziel. Wer diese reine Liebe nicht kennt, der hat Ohren und hört nicht, Augen und sieht nicht, einen Sinn, der nicht begreift, was in ihm, um ihn, über ihm vorgeht. „Das ist der Weg, der zur Erkenntnis führt: Brod mit Salz iß, das Wasser trinke abgemessen', auf der Erde schlafe, führe ein kümmerliches Dasein und bemühe dich doch um die Wissenschaft. Dann erst handelst Du aus reiner Liebe zur Erkenntnis und wie wohl ist dir. Du hast diese Welt so klar vor dir und die Nachwelt gehört dir." (Aboth 6, 4.) „Nie möge weichen das Buch der Erkenntnis aus deinem Munde. Sinne darin Tag und Nacht, damit zur That werde alles in dir, was geschrieben steht. Dann wandelst du auf der rechten Bahn und du bist glücklich." (Jos. 1, 8.) VII. Die Liebe Arbeit. „Und Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bearbeite und pflege." (1. M. 2, 15.) Da liegt das Land, mit allem was sich darin regt und bewegt. In dem Wesen liegt der Trieb der Selbsterhaltung, der drängt und das kleinste Geschöpf müht sich ab, um sich zu behaupten. „Mensch geh hin zur Ameise, betrachte ihre Wege. Sie hat keinen Herrn, keinen Herrscher und bereitet vor im Sommer, und sammelt im Herbste den Vorrat." (Spr. 6, 6. 7. 8.) Wie großartig ist jedes Wesen ausgestattet. Jedes hat seine Organe, die wie Werkzeuge in die Vorratskammern der Erdreiche .greifen und dem Leben den Bedarf herbeischaffen. Und wie herrlich ausgestattet ist der Mensch. In seiner Seele sammeln sich Gedanken zu einem Lebensbilde, in welchem alle Beweggründe, alle Lebenszwecke den Organen gegeben sind. Dieses Bild enthält, wenn es durch Erziehung und Unterricht ansgebildet wurde, die Elemente des menschlichen Willens. Wo das nötige Wissen fehlt, da fehlt auch der Unterhalt und wer nur geistig sich beschäftigt und wenig wirkt, der gleicht einem Bauine mit umfangreicher Krone, aber mit wenigen Wurzeln. Der Sturmwind braust heran und entwurzelt ihn und er steht vereinzelt da in der Wüste und bemerkt das Gute nicht, das sich ihm nähert. Und wer sich abmüht ohne daß er viel weiß, gleicht einem Stanmie, der mit seinen Wurzeln fest in der Erde sitzt; aber wie armselig ist seine Krone. Sie giebt keinen Schatten und blosgestellt ist der Stamm preisgegeben der Sonnenglnt. (Aboth 3, 17.) Je mehr das Leben im Geiste aufgeht, je mehr Herz und Seele in einander greifen, um so mehr nähert sich der Mensch dem Ziele seiner wahren Bestinmiung. Das Wissen fordert und setzt die Organe alle in Bewegung, daß sie nach dem Lebensziele streben. Da erwacht die Liebe zur Beschäftigung „und reich wird, wer sich mit dem freut, was er sich selbst erworben. Genieße die Früchte der Werke deiner Hände und du bist glücklich; denn dir geht es gut. Aber zuvor lerne recht handeln." (Aboth 4,1,5.) „Liede mit der Erkenntnis die Arbeit". (Aboth 1,10.)

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