Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1883)
- Date
- 1883-04-01
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Deah 24 b I.) Wer kann wohl eine Wissenschaft lieben, die er nicht begreift, wer einen Gedanken schätzen, den er nicht besitzt, ein Gefühl achten, das er gar nicht kennt. Der himmlische Gedanke liegt als Gefühl tief in unseren Herzen und will durch Erziehung befruchtet, durch Unterricht vergeistigt sein. Erst wenn ein Teil jener Gedankenwelt, die in uns schluminert, durch Erziehung geweckt, durch Unterricht vergeistigt ward, dann erst erwacht der Trieb nach Wissen und Herz und Seele greifen in einander. Der Gedanke weckt und belebt das Herz, veredelt das Gemütsleben, und jedes Gefühl, das im Herzen erwacht, öffnet eine Quelle des Seelenlebens. Dann liebt das Herz den schönen Gedanken, dann erkennt der Geist den Schatz von Wissen, das in seinem Wesen verborgen liegt. Da fällt der Gedanke in die Angriffspunkte unserer Anlagen und Fähigkeiten und wirkt und schafft. Schön ist das Bewußtsein, in der zarten Seele eines Kindes jenen Gott des Wissens — „das ist Iah" — (Sam. Io 2) — dieses Ebenbild des Unendlichen zu wecken. Und dieser Gott, der als geistige Fackel in der Hand großer Genien in die Welt ruft: „es werde Licht", schafft Großes. „Fürchte Gott, übe sein Gesetz, denn das ist der ganze Mensch." (Kohelet l2, 13.) „So hört denn ihr Völker und ihr Nationen merket auf! Von mir geht aus die Erkenntnis. Mein Recht will ich ausbreiten als Licht fiir die Völker. Es naht immer mehr meine Wahrheit und das Heil geht aus von mir. Meine Arme richten die Nationen. Auf mich warten die Eilande und auf meine Kraft harren sie. Zum Himmel richtet den Blick und schaut auf die Erde nieder, wenn ich den Himmel in Rauch aufgehen lasse und die Erde auflöse wie ein Kleid, und die Bewohner hinsterben wie ein Insekt, bleibt mein Heil doch ewig." (Jes. 51, 4. 5. 6.) „Die Weisheit ruft und die Vernunft erhebt ihre Stimme, auf der Spitze der Anhöhen, auf dem Wege, auf allen Straßen steht sie. Bei den Toren am Eingänge der Stadt, vor den Hauptpforten ruft sie laut. Sie ruft euch Männer alle, und an euch Erdensöhne richtet sie die Stimme. Wählet meine Zurechtweisung, und nicht Silber, strebet mehr nach Wissen als nach gediegenem Erze. Weisheit ist besser als Edelgestein. Denn alles was Wert „hat, ihr kommt es nicht gleich. Im Nachdenken werde ich groß und nach weiser Überlegung stellt sich die Einsicht ein. Die euch lieben, liebe ich, die mich suchen, müssen mich auch finden. Bei mir ist Reichtum, Ehre, unersetzliches Gut und Glückseligkeit. Gott selbst besitzt mich als die schönste seiner Eigenschaften. Vor der Schöpfung war ich da. Von Ewigkeit her bin ich zur Herrscherin bestimmt. Lange vor der Erde war ich da. Noch ehe der Abgrund entstanden, war ich geschaffen, bevor sich die Berge senkten, bevor die Hügel emporstrebten, als Gott die Wolkenhöhen zog über den niächtigen Quellen des Abgrundes, war ich ihm treu zur Seite, ergötzte ihn zu jeder Zeit. Nun will ich sein Reich, die Welt erfreuen, will mich unterhalten mit den Menschenkindern." (Spr. 8, 1—32.) 2. „Die Weisheit, wo ist sie zu finden? Wo ist der Ort der Vernunft? Kein Mensch kennt ihren Ort; denn im Lande der Lebenden wird sie nicht gefunden. Der Abgrund sagt mir: Da ist sie nicht zu finden und das Meer spricht: Bei mir ist sie nicht. Sie ist entzogen den Augen des Menschen, verborgen selbst den Vögeln der Lüfte. Der Abgrund und der Tod verkünden, wir hörten nur ihren Ruf, aber Gott kennt den Weg zu ihr; denn er schaut bis an's Ende der Welt, was unter dem Himmel sich regt, sieht er. Als er dem Winde sein Gewicht bestimmte und mit dem Maß die Gewässer maß, da sah er sie und